Coda steht für “Child of Deaf Adults”, also hörende Kinder von gehörlosen Eltern. Diese Kinder wachsen oft in einer besonderen Situation auf: Sie sind Teil der hörenden Welt, gehören aber auch zur Gehörlosenwelt. Für viele Coda ist Gebärdensprache ein wichtiger Teil ihrer Kindheit und ihres Alltags.
Warum lernen Coda früh Gebärdensprache?
Kommunikation mit den Eltern
Gehörlose Eltern kommunizieren meist in Gebärdensprache. Damit die Kinder ihre Eltern verstehen können, lernen sie oft schon im Kleinkindalter Gebärdensprache. Für viele Familien ist dies selbstverständlich.
Erwartungen der Eltern
Manche gehörlosen Eltern erwarten, dass ihre Kinder Gebärdensprache schnell lernen, damit sie im Alltag unterstützen können, z. B. beim Dolmetschen.
Zwang oder Freiwilligkeit?
In manchen Familien lernen die Kinder Gebärdensprache freiwillig. In anderen wird von ihnen erwartet, dass sie früh Verantwortung übernehmen – zum Beispiel, wenn sie für ihre Eltern bei Behörden, Ärzten oder in der Schule dolmetschen.
Die Rolle der Coda als Dolmetscher
Ab welchem Alter dolmetschen Kinder?
Viele Coda beginnen schon in sehr jungem Alter zu dolmetschen. Sie begleiten ihre Eltern zu Terminen und übersetzen, was gesagt wird. Doch: Ist das gut für die Kinder?
Belastung für die Kinder
Für einige Coda kann es anstrengend sein, ständig die Rolle des Dolmetschers zu übernehmen. Besonders bei schwierigen Themen, wie bei Arztbesuchen oder Gesprächen mit Ämtern, fühlen sich Kinder oft überfordert.
Vergleich zu Oralismus
Einige Coda berichten, dass sie sich durch den ständigen Druck, dolmetschen zu müssen, belastet fühlen – fast so, wie gehörlose Menschen früher durch den Oralismus gezwungen wurden, ohne Gebärdensprache zu leben.
Was passiert, wenn die Kinder erwachsen werden?
Abhängigkeit der Eltern
Coda, die ihre Eltern jahrelang unterstützt haben, ziehen oft aus, wenn sie erwachsen werden. Für viele gehörlose Eltern ist dies ein schwerer Schritt, weil sie sich stark auf ihre Kinder verlassen haben.
Unabhängigkeit der Kinder
Manche erwachsene Coda entscheiden, dass sie weniger Kontakt zu ihren Eltern wollen. Andere bleiben ihren Eltern eng verbunden und unterstützen sie weiterhin.
Vorteile von Gebärdensprache für Coda
Sprachliche Fähigkeiten
Coda, die Gebärdensprache gut beherrschen, haben oft eine besondere Stärke: Sie sprechen zwei “Sprachen” – Gebärdensprache und Lautsprache.
Berufliche Möglichkeiten
Ein großer Vorteil ist, dass Coda später als professionelle Gebärdensprachdolmetscher arbeiten können. Sie bringen oft ein tiefes Verständnis für die Gehörlosenkultur mit, was ihnen in diesem Beruf hilft.
Kulturelle Identität
Coda sind oft stolz darauf, Teil der Gehörlosenkultur zu sein. Sie fühlen sich als Brücke zwischen der hörenden und der Gehörlosenwelt.
Fragen, die Eltern sich stellen sollten
- Wann sollten Kinder Gebärdensprache lernen?
Gebärdensprache früh zu lernen, ist gut für die Kommunikation. Aber die Eltern sollten darauf achten, dass die Kinder auch Zeit haben, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. - Wie viel Verantwortung können Kinder tragen?
Eltern sollten bedenken, dass Kinder nicht immer bereit sind, schwierige Aufgaben zu übernehmen, z. B. das Dolmetschen in ernsten oder rechtlichen Situationen. - Was passiert, wenn die Kinder erwachsen werden?
Wenn Kinder zu stark belastet wurden, kann es sein, dass sie sich später von ihren Eltern distanzieren.
Vorsicht vor Überforderung
Kinder niemals unterdrücken
Kinder sollten niemals dazu gezwungen werden, Dolmetscher für ihre Eltern zu sein und dabei ihre Hausaufgaben oder ihre Freizeit zu vernachlässigen. Der ständige Druck, alles für die Eltern erledigen zu müssen, kann Kinder überfordern und ihre Entwicklung einschränken.
Gute Balance finden
Eltern sollten darauf achten, dass die Verantwortung der Kinder gut verteilt ist – sowohl im Alltag als auch in der Freizeit. Es ist wichtig, dass die Kinder ihre Aufgaben im Haushalt, ihre schulischen Verpflichtungen und vor allem ihre eigene Freizeit haben, um sich zu erholen.
Fazit – Eine Balance finden
Coda wachsen in einer einzigartigen Situation auf. Es ist wichtig, dass gehörlose Eltern ihre Kinder unterstützen, aber auch darauf achten, sie nicht zu überfordern.
- Gebärdensprache lernen: Ja, aber mit Freude und ohne Zwang.
- Dolmetschen: Nur, wenn das Kind bereit ist. Professionelle Dolmetscher können hier entlasten.
- Eltern-Kind-Beziehung: Ein gutes Verhältnis entsteht, wenn die Bedürfnisse beider Seiten respektiert werden.
Coda können eine wichtige Brücke zwischen der hörenden und der Gehörlosenwelt sein – aber nur, wenn sie nicht unter Druck gesetzt werden.
Bild von Mabel Amber, who will one day auf Pixabay

