Home HörgeschädigtPolitikDie größten Fehler der Landesverbände und des Deutschen Gehörlosenbunds

Die größten Fehler der Landesverbände und des Deutschen Gehörlosenbunds

by info@deaf24.com

Seit Jahrzehnten kämpfen Gehörlose in Deutschland mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Organisation und Durchführung von Gebärdensprachdolmetscher-Einsätzen (GSD). Diese Herausforderungen beeinträchtigen die Lebensqualität und schaffen Barrieren in der Kommunikation mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen. Trotz der Bemühungen der Landesverbände für Gehörlosen und des Deutschen Gehörlosenbunds (DGB) sind nachhaltige Verbesserungen ausgeblieben. Es zeigt sich, dass strukturelle Veränderungen notwendig sind, insbesondere in Städten mit mittlerer bis großer Einwohnerzahl.

Analyse der Probleme

Versäumte Zusammenarbeit zwischen Landesverbänden und Behörden

  • Beispiele aus Städten mit mittlerer Einwohnerzahl:
    In vielen Städten Deutschlands gibt es keine ausreichende Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden für Gehörlosen und den örtlichen Behörden. Die Anliegen und Bedürfnisse der Gehörlosen werden nicht klar vermittelt, was zu einem Mangel an unterstützenden Maßnahmen führt.
    • So wurde in vielen Fällen von Stadtverwaltungen berichtet, dass sie keine detaillierten Informationen über die Herausforderungen der Gehörlosen von den Landesverbänden erhalten haben.
    • Das Problem liegt dabei nicht nur an einzelnen Akteuren oder Städten, sondern weist auf eine generelle Schwäche in der Kommunikation zwischen den Landesverbänden und den politischen Entscheidungsträgern hin.
  • Verantwortung der Landesverbände:
    • Die Landesverbände hätten in den vergangenen Jahrzehnten flächendeckend Maßnahmen entwickeln müssen, um eine bessere Zusammenarbeit mit Verwaltungen, Politik und Gemeinden zu fördern.
    • Stattdessen wurde die Kommunikation oft vernachlässigt, was dazu führte, dass die Bedürfnisse Gehörloser bei der Planung und Umsetzung politischer Entscheidungen übersehen wurden.

Einseitige Fokussierung auf GSD

  • Die Landesverbände konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Organisation von GSD-Einsätzen, während andere nachhaltigere Lösungen nicht ausreichend beachtet werden.
  • Langfristige Maßnahmen, die die Kommunikation von Gehörlosen in Behörden vereinfachen könnten, werden selten entwickelt.

Mangel an Kreativität und innovativen Ansätzen

  • Die Landesverbände zeigen wenig Initiative, pragmatische und effektive Lösungen für die Herausforderungen von Gehörlosen zu finden.
  • Dabei gibt es einfache und kostensparende Möglichkeiten, die schnell umgesetzt werden könnten, wie beispielsweise die Einführung von Gebärdensprachkenntnissen in Behörden.

Detaillierte Lösungsvorschläge und Empfehlungen

Kommunikationsfähige Mitarbeiter in Behörden

  • Interne Potenziale nutzen:
    In Behörden könnten Mitarbeiter befragt werden, ob sie bereit sind, sich mit den Bedürfnissen Gehörloser vertraut zu machen und Grundkenntnisse in Gebärdensprache zu erwerben. Oft gibt es Mitarbeiter, die Interesse an dieser Aufgabe haben, jedoch bisher nicht in Betracht gezogen wurden.
  • Neue Anforderungen an Bewerber:
    • Bei neuen Stellenausschreibungen für Behörden sollten nicht nur Fremdsprachenkenntnisse wie Englisch gefordert werden, sondern auch die Bereitschaft, Gebärdensprache zu lernen.
    • Dies könnte als freiwillige Zusatzqualifikation oder Bedingung in Stellenausschreibungen formuliert werden.
  • Vorteile:
    • Direkte und schnellere Kommunikation mit Gehörlosen ohne die Notwendigkeit von GSD.
    • Einsparung von Kosten und Bürokratie.

Verpflichtung zur Gebärdensprache in Behörden ab mittlerer Größe

  • Mindestens zwei geschulte Mitarbeiter:
    • In Städten mit mittlerer Einwohnerzahl sollten Behörden mit mehr als 30 Mitarbeitern mindestens zwei Angestellte beschäftigen, die grundlegende Gebärdensprachkenntnisse haben.
    • Diese könnten speziell geschult werden, um Gehörlosen bei einfachen Anliegen zu helfen. Für solche Aufgaben ist kein Diplom oder Zertifikat erforderlich, da sie lediglich Sachbearbeitung umfassen.
  • Signalwirkung für Gehörlose:
    • Ein Schild mit einem Gebärdensprache-Symbol am Eingang einer Behörde könnte Gehörlosen zeigen, dass sie dort direkt Unterstützung finden.

Reduzierung von Bürokratie und Kosten durch interne Lösungen

  • Anstatt ausschließlich auf externe GSD zu setzen, könnten Behörden durch die Schulung eigener Mitarbeiter erhebliche Kosten sparen.
  • Mittel, die derzeit für GSD-Vermittlungen und Anfahrtskosten ausgegeben werden, könnten in andere Inklusionsmaßnahmen investiert werden.

Barrierefreie Strukturen in allen Städten ab mittlerer Einwohnerzahl

  • Die oben genannten Maßnahmen sollten nicht nur in einzelnen Städten, sondern flächendeckend in allen Städten mit mittlerer bis großer Einwohnerzahl umgesetzt werden.
  • Besonders wichtig ist die Einführung von Gebärdensprachkenntnissen in Bereichen wie:
    • Polizei
    • Krankenhäuser
    • Arbeitsagenturen und Jobcenter
    • Rathäuser
    • Weitere öffentliche Einrichtungen

Ausbau von Notfalllösungen

  • In Notfalleinrichtungen wie Krankenhäusern sollten pro Schicht mindestens drei Mitarbeiter Gebärdensprachkenntnisse besitzen, um Gehörlosen eine barrierefreie Versorgung zu gewährleisten.
  • Ein positives Beispiel zeigt sich in einigen Krankenhäusern, wo Mitarbeiter mit Gebärdensprachkenntnissen eingesetzt werden. Doch dies ist die Ausnahme und sollte zur Regel werden.

Zusammenfassung: Der einfachste und effektivste Weg

Die vorgestellten Maßnahmen sind pragmatisch, kostensparend und nachhaltig. Sie zeigen auf, wie durch einfache Schritte die Barrieren für Gehörlose reduziert und deren Inklusion in die Gesellschaft gestärkt werden können:

  1. Landesverbänden und der Deutsche Gehörlosenbund sollten ihre Rolle als Vermittler ernster nehmen und die Zusammenarbeit mit Behörden und Politik intensivieren.
  2. Behörden könnten interne Mitarbeiter schulen und neue Bewerber mit Gebärdensprachkenntnissen bevorzugen.
  3. Flächendeckende Maßnahmen zur Barrierefreiheit in Städten mit mittlerer bis großer Einwohnerzahl würden langfristig Kosten sparen und den Alltag von Gehörlosen erheblich erleichtern.

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