Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. (DGB) ist der wichtigste Dachverband für gehörlose Menschen in Deutschland. Seine Aufgabe ist es, die politischen, sozialen und kulturellen Interessen der Gehörlosen zu vertreten. Doch in den letzten Jahren fragen sich viele Mitglieder: Verbessert der DGB wirklich das Leben der Betroffenen – oder konzentriert er sich vor allem auf seine Außendarstellung?
Auffällig ist, dass der DGB inzwischen sechs Instagram-Konten betreibt, zusätzlich zwei verschiedene Webseiten unterhält und regelmäßig neue Formate mit dem Präsidenten veröffentlicht. Dazu kommen Titel wie „Beauftragter für Medien und Digitalisierung“, der seit 2023 geführt wird. Die Community fragt sich: Bringt das Orientierung oder eher Verwirrung?
Sechs Instagram-Konten – Vielfalt oder Verwirrung?
Der DGB ist aktuell auf Instagram mit sechs Profilen vertreten:
- @gehoerlosenbund
- @dgb.praesidium
- @dgb.praesident
- @dgb.medien.digital
- @dgb.opferentschaedigung
- @dgb.bewusstseinsbildung
Der Kanal @dgb.quer wurde eingestellt und ist nicht mehr aktiv.
Offiziell sollen die Accounts unterschiedliche Themen abdecken: Politik, Präsidium, Opferentschädigung, Bewusstseinsbildung oder Digitalisierung. Für viele Mitglieder bleibt jedoch unklar, welcher Kanal der Hauptkanal ist. Besonders ältere Menschen oder Personen mit weniger Medienerfahrung verlieren leicht den Überblick.
Kritik aus der Community: Statt Reichweite zu bündeln, wird Aufmerksamkeit zerstreut. Die Folge: weniger klare Botschaften, schwächere Sichtbarkeit und ein unübersichtlicher Auftritt.
Zwei Webseiten – nötig oder überflüssig?
Neben Instagram gibt es zwei offizielle Internetseiten:
Die ältere Seite gehoerlosenbund.de wirkt klassisch und enthält Pressemitteilungen, Stellungnahmen und Infos zum Verband. Die neuere Seite dglb.de ist moderner gestaltet und zeigt mehr Projekte und Aktivitäten.
Doch diese Doppelstruktur sorgt für Fragen:
- Welche Seite ist die Hauptadresse?
- Warum werden Informationen nicht gebündelt?
- Führt das zu besserer Sichtbarkeit oder eher zu Verwirrung bei Mitgliedern, Politik und Medien?
Ein Dachverband, der Klarheit und Barrierefreiheit verspricht, sollte gerade online für einfache, zentrale Orientierung sorgen.
Wöchentliche Rückblicke beim Hauptaccount
Auf dem offiziellen Instagram-Kanal @gehoerlosenbund erscheinen regelmäßig wöchentliche Rückblicke und Interviews. In diesen Videos tritt Präsident Ralf Raule persönlich auf. Er kommentiert politische Entwicklungen, berichtet über Termine und präsentiert Aktivitäten des Verbandes.
Das Format wirkt modern und professionell, wirft jedoch Fragen auf:
- Soll der Hauptkanal des Verbandes vor allem Bühne für den Präsidenten sein?
- Oder sollte er stärker Themen aus der Community, Projekte der Vereine und konkrete Problemlösungen zeigen?
Kritiker befürchten, dass der Hauptaccount zu stark auf eine Person zugeschnitten wird – und dadurch weniger als neutrale Stimme des gesamten Verbandes wahrgenommen wird.
Medienaufträge – Auftraggeber und Ausführender in einer Person?
Besonders im Bereich Medien fällt auf, dass Präsident Ralf Raule nicht nur auftritt, sondern auch Inhalte selbst produziert. Der Kanal @dgb.medien.digital ist stark mit ihm verbunden.
Daraus ergibt sich eine kritische Frage:
Wer vergibt die Medienaufträge – und wer führt sie aus?
Wenn beides in einer Hand liegt, kann der Eindruck entstehen, dass Transparenz und Kontrolle fehlen. Solche Strukturen werfen Fragen nach klarer Rollenverteilung und Verantwortlichkeit auf.
Titel seit 2023: „Beauftragter für Medien und Digitalisierung“
Seit 2023 führt Ralf Raule zusätzlich den Titel „Beauftragter für Medien und Digitalisierung beim Deutschen Gehörlosen-Bund e.V.“. Besonders auf dem Kanal @dgb.medien.digital wird diese Rolle hervorgehoben.
Doch was bedeutet dieser Titel?
- Ist es ein offizielles Amt im Präsidium mit klarer Aufgabenbeschreibung?
- Oder eher eine zusätzliche Bezeichnung, die die mediale Arbeit des Präsidenten hervorhebt?
- Gibt es ein Konzept, eine Strategie oder ein unabhängiges Kontrollgremium?
Für viele Mitglieder bleibt unklar, ob dieser Titel tatsächlich eine neue Struktur beschreibt oder vor allem der Profilstärkung des Präsidenten dient. In professionellen Verbänden übernehmen „Beauftragte“ meist spezialisierte Fachbereiche – unabhängig vom Vorstand. Dass der Präsident gleichzeitig auch einen Beauftragten-Titel trägt, ist eher ungewöhnlich und wirft Fragen nach Transparenz und klarer Rollenverteilung auf.
Offene Fragen – wenig Antworten
Deaf24 fasst zusammen:
- Warum werden Ressourcen in sechs Instagram-Profile und zwei Webseiten gesteckt, während konkrete Probleme der Gehörlosen – wie Dolmetschermangel, Barrieren im Alltag oder fehlende Beratungsangebote – ungelöst bleiben?
- Wie passt der starke Medienfokus mit regelmäßigen Präsidenten-Videos zu den eigentlichen Aufgaben eines Dachverbandes?
- Welche Rolle haben neue Strukturen, Titel und Social-Media-Aktivitäten wirklich – und profitieren am Ende die Mitglieder oder eher Einzelpersonen?
Fazit: Weniger Show, mehr Substanz
Der Deutsche Gehörlosenbund hat eine zentrale Aufgabe: die politische und gesellschaftliche Vertretung gehörloser Menschen. Dafür braucht es Vertrauen, Klarheit und nachvollziehbare Strukturen.
Aktuell entsteht jedoch bei vielen Mitgliedern der Eindruck, dass die Energie mehr in Social-Media-Präsenz, mehrere Webseiten und zusätzliche Titel fließt – statt in konkrete Lösungen.
Empfehlungen:
- Konzentration auf einen zentralen Instagram-Kanal
- Nutzung von einer Haupt-Webseite
- Klare Trennung von Rollen und Verantwortlichkeiten
- Fokus auf Inhalte, die direkt der Community helfen
- Offene Kommunikation über Strukturen, Projekte und Mittelverwendung
Die Gehörlosengemeinschaft braucht kein Netz aus Kanälen und Titeln – sie braucht einen Verband, der sichtbar und wirksam zugleich ist.

