In Großbritannien leben rund 18 Millionen Menschen, die taub sind oder eine Hörbehinderung haben. Für viele von ihnen ist „taub sein“ keine Behinderung, sondern ein wichtiger Teil der eigenen Identität. Trotzdem fühlen sich viele Gehörlose im Kontakt mit Behörden – besonders mit der Polizei – oft missverstanden oder allein gelassen.
Dieser Artikel erklärt leicht verständlich, welche Probleme es im Kontakt zwischen Polizei und der Deaf-Community gibt, warum diese Barrieren entstehen und welche positiven Projekte es bereits gibt. Die Darstellung ist bewusst klar, einfach und gut strukturiert – damit alle Inhalte für die Deaf-Community verständlich sind.
Die wichtigsten Probleme im Kontakt zwischen Polizei und Gehörlosen
Fehlendes Wissen über Gehörlose und ihre Kommunikation
Viele Polizist*innen gehen fälschlicherweise davon aus, dass alle Gehörlosen:
- gut lesen können,
- British Sign Language (BSL) beherrschen,
- oder gut Lippen lesen können.
Das stimmt nicht. Manche Gehörlose wachsen ohne Gebärdensprache auf, manche erlernen BSL erst im Erwachsenenalter, und viele können Texte nur schwer verstehen. Wenn Polizist*innen das nicht wissen, entstehen Missverständnisse – und im schlimmsten Fall falsche Einschätzungen.
Probleme bei Festnahmen und in Polizeigewahrsam
Die Literatur zeigt, dass Gehörlose bei Polizeieinsätzen häufiger benachteiligt werden. Beispiele:
- Hände werden auf dem Rücken gefesselt. Dadurch kann die betroffene Person nicht mehr gebärden. Kommunikation wird unmöglich.
- Dolmetscher*innen fehlen oder kommen zu spät. In vielen Regionen gibt es zu wenige qualifizierte BSL-Dolmetscher. Einige Dolmetscher reisen ungern weite Strecken oder fühlen sich bei regionalen Gebärdensprachen unsicher.
Manchmal kam es sogar vor, dass Polizist*innen Kinder von gehörlosen Eltern baten, zu dolmetschen – sogar bei Gewalt- oder Missbrauchsfällen. Für die Kinder bedeutet das, traumatische Inhalte übersetzen zu müssen. Das ist für alle Beteiligten belastend und sollte nicht vorkommen.
Verwirrung über die Rolle der Polizei
Manche Mitglieder der Deaf-Community wissen wenig darüber, wie das britische Justizsystem funktioniert. Das liegt auch daran, dass viele Informationen nicht barrierefrei angeboten werden. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, Gehörlose seien „schwer erreichbar“ oder „schlecht informiert“. Diese Vorurteile können sich auf die Behandlung durch die Polizei auswirken.
Nationale Unterschiede im Umgang der Polizeibehörden
Einige Polizeibehörden arbeiten bereits eng mit der Deaf-Community zusammen – andere kaum. Es fehlt ein einheitlicher, landesweiter Standard. Dadurch ist der Zugang zur Polizei je nach Region unterschiedlich gut.
Positive Beispiele: Was bereits gut funktioniert
Trainings und Workshops zur „Deaf Awareness“
Studien zeigen: Wenn Polizist*innen Schulungen über Gehörlosigkeit, gebärdensprachliche Kommunikation und Deaf Culture erhalten, ändern sich Einstellung und Verhalten oft positiv.
Ein bekanntes Beispiel ist The Deaf Academy. Sie bietet Schulungen an, in denen Polizist*innen lernen:
- wie Deaf Culture funktioniert,
- wie Gebärdensprache genutzt wird,
- welche Bedürfnisse Gehörlose in Notfällen haben.
Auch Polizeidienststellen wie die West Midlands Police arbeiten mit Expertinnen zusammen, um gehörlose Schülerinnen über Sicherheit und Kriminalprävention zu informieren.
PLOD – Police Link Officer for the Deaf
Einige Regionen, etwa Cambridgeshire, haben spezielle Polizist*innen, die mindestens BSL Level 2 können. Sie nennen sich PLOD. Ihre Aufgaben:
- Kontakt zur Deaf-Community,
- Unterstützung bei Anzeigen,
- Kommunikation auf niedrigschwelligem Level.
Aber:
PLOD darf keine offiziellen Vernehmungen durchführen – dafür sind professionelle Dolmetscher notwendig. Außerdem ist die Teilnahme freiwillig, deshalb gibt es regionale Unterschiede und keine flächendeckende Versorgung.
Was noch verbessert werden muss
Mehr Dolmetscher – und besser organisiert
Die Polizei braucht:
- mehr professionelle Dolmetscher*innen,
- schnellere Organisation,
- bessere Notfalllösungen,
- klare Regeln, um Kinder niemals als Dolmetscher einzusetzen.
Einheitliche Standards in ganz Großbritannien
Alle Polizeibehörden sollten ähnlich gut arbeiten – nicht nur einige wenige. Dazu gehören:
- feste Mindeststandards,
- verpflichtende Schulungen,
- feste Ansprechpartner*innen für die Deaf-Community.
Bessere Ausbildung der Polizist*innen
Das Curriculum für Polizeianwärter*innen sollte verpflichtend enthalten:
- Grundwissen über Deaf Culture,
- Einführung in Basis-Gebärdensprache,
- Sensibilisierung für Kommunikationsbarrieren.
Die College of Policing könnte sogar verpflichtend BSL-Grundkurse in den Police Degree integrieren.
Mehr Begegnungen – nicht nur im Notfall
Regelmäßige Polizeibesuche in Schulen und Colleges mit gehörlosen Schüler*innen könnten Vertrauen schaffen. Wenn beide Gruppen sich besser kennen, sinken Vorurteile und Missverständnisse.
Fazit
Die Beziehungen zwischen Polizei und Deaf-Community sind oft schwierig – aber es gibt gute Beispiele, die zeigen, dass Verbesserung möglich ist. Viele Probleme entstehen durch fehlendes Wissen, mangelnde Dolmetscher und große Unterschiede zwischen einzelnen Polizeidienststellen.
Gleichzeitig beweisen Projekte wie Deaf Awareness Trainings, spezielle Link Officers oder Schulbesuche, dass Barrieren abgebaut werden können. Wichtig ist jedoch ein einheitlicher, konsequenter nationaler Ansatz.
Nur wenn Polizei und Deaf-Community regelmäßig miteinander kommunizieren, voneinander lernen und Verständnis füreinander entwickeln, kann Vertrauen entstehen. Eine barrierefreie Polizeiarbeit ist nicht nur fair – sie stärkt auch Sicherheit, Gleichbehandlung und Respekt für alle Menschen.
Bild von Kai Pilger auf Pixabay

