Gehörlose Menschen haben vor Gericht oft Probleme. Sie müssen alles verstehen, um sich verteidigen zu können. Der Fall von Martin Van Fabián zeigt das deutlich. Er wurde 2018 zu 15,5 Jahren Haft verurteilt. Er sollte eine Frau getötet haben. Van Fabián sagte später, dass er das Gerichtsverfahren nicht richtig verstanden habe. Er wollte eine Wiederaufnahme des Prozesses. Das Gericht lehnte ab. Begründung: Er hatte Lippenlesen gewählt und mehrmals bestätigt, dass er alles verstehe.
Dieser Fall zeigt: Wie kommunizieren Gehörlose vor Gericht? Welche Möglichkeiten gibt es? Und welche Rolle spielt heute künstliche Intelligenz?
Möglichkeiten der Verständigung
Gehörlose haben verschiedene Wege, sich zu verständigen. Die Verfassung garantiert das Recht auf eine Sprache, die man versteht. Dazu gehört auch Gebärdensprache.
Jakub Vinčálek von der Polizei sagt: „Wir behandeln gehörlose Menschen wie Menschen, die eine Fremdsprache sprechen. Wir stellen Dolmetscher bereit. Meistens arbeiten wir mit der Tschechischen Union der Gehörlosen zusammen. So stellen wir sicher, dass alles verstanden wird.“
Dolmetscher sind nicht nur für Verhöre da. Sie helfen auch bei Hauptverhandlungen, Rekonstruktionen von Straftaten, Haftbefehlen, Scheidungen oder Erbschaftsverfahren.
Zurzeit gibt es siebzehn registrierte Dolmetscher. Einer ist Marie Horáková von der Organisation Tichý svět. Sie sagt: „Gerichtsdolmetschen ist sehr anspruchsvoll. Es geht um Fachwörter und starke Gefühle. Schon kleine Fehler können große Folgen haben. Dolmetscher müssen neutral und konzentriert sein.“
Praktische Regeln
Gehörlose müssen den Dolmetscher direkt sehen können. Er sollte neben der sprechenden Person stehen. Dunkle Kleidung ohne Muster erleichtert die Sicht auf die Hände.
Bei mehreren Sprechern sagt der Dolmetscher, wer gerade spricht. Gehörlose merken sonst nicht, dass jemand anderes spricht.
Es gibt zwei Arten von Gebärdensprache:
- Gebärdensprache: Hat eigene Grammatik.
- Gebärden-Tschechisch: Nutzt Gebärden, folgt aber der tschechischen Grammatik.
Manchmal braucht es mehrere Dolmetscher, um alles richtig zu übersetzen.
Libor Vávra, Präsident der Soudcovská unie, erinnert sich: „Wir hatten Fälle, in denen zwei Dolmetscher nötig waren. Die Beteiligten konnten verschiedene Varianten der Gebärdensprache sprechen.“
Technik und künstliche Intelligenz
Technik hilft immer mehr. Seit 2010 gibt es Simultan-Transkription. Speziell geschulte Schreibkräfte schreiben alles live in Notebooks. Das sehen Gehörlose auf Bildschirmen. Diese Methode ist besonders für Menschen, die keine Gebärdensprache können.
Seit 2012 nutzt das Ministerium für Justiz auch künstliche Intelligenz. Programme transkribieren Sprache in Text. Voraussetzung: klare Aussprache und gute Mikrofone.
Libor Vávra sagt: „KI kann Dolmetscher unterstützen. Sie macht Gerichtsverfahren zugänglicher.“
Kritische Punkte
Trotz Fortschritten gibt es Probleme. Nicht jeder kann Lippenlesen oder Textanzeigen perfekt nutzen. Fehler können den Prozess beeinflussen.
Auch KI hat Grenzen. Was passiert, wenn ein Transkriptionsfehler die Aussage verändert? Können emotionale Nuancen korrekt übertragen werden?
Fazit
Gehörlose Menschen brauchen vor Gericht Unterstützung. Dolmetscher, Schreibkräfte und KI helfen, Kommunikation sicherzustellen. Verfahren müssen individuell angepasst werden. Der Fall Van Fábian zeigt: Selbst moderne Hilfsmittel garantieren keine perfekte Verständigung. Gerichte müssen aufmerksam sein, damit das Recht auf einen fairen Prozess für alle gilt.
Foto:
Martin Van Fabian wurde wegen Mordplanung zu 15,5 Jahren Haft verurteilt; sein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurde vom Gericht abgelehnt.
• Quelle: ČTK

