Immer mehr Gehörlose in Deutschland sind unzufrieden mit ihrem eigenen Bundesverband – dem Deutschen Gehörlosen-Bund (DGB). Der DGB soll eigentlich die politische Stimme aller Gehörlosen in Deutschland sein. Doch in der Community wächst der Eindruck: Der DGB ist nicht mehr sichtbar, nicht mehr stark, nicht mehr engagiert.
Vor allem junge Gehörlose fragen sich:
Warum gibt es keine großen, bundesweiten Aktionen? Warum kommt keine Antwort auf wichtige politische Entwicklungen? Und warum passiert vieles nur lokal – zum Beispiel in Hamburg?
Diese Kritik ist ernst. Denn der DGB trägt eine große Verantwortung. Er soll die Interessen der Gehörlosen auf Bundesebene vertreten. Aber viele fühlen sich inzwischen nicht mehr vertreten.
Hamburg als Vorreiter – aber warum nicht bundesweit?
Im Jahr 2025 wurde in der Hamburger Bürgerschaft über ein neues Ziel gesprochen: Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) soll als Minderheitensprache anerkannt werden. SPD und Grüne unterstützen das. Das klingt gut – und ist ein wichtiger Schritt.
Aber viele Gehörlose fragen sich:
Warum wird das nur in Hamburg diskutiert? Warum nicht im Bundestag?
Der DGB war bei der Anhörung in Hamburg dabei – aber nur im Hintergrund. Er hat nicht selbst die Initiative ergriffen. Dabei wäre genau das seine Aufgabe: politischen Druck machen, öffentlich auftreten, bundesweite Aufmerksamkeit erzeugen.
Wo sind die anderen wichtigen Verbände?
Auffällig ist auch, dass bei dem Hamburger Prozess viele wichtige Organisationen fehlten, darunter:
- Die Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände e. V. (DG)
- Der Sozialverband VdK Deutschland e. V.
- Die Aktion Mensch
- Viele Behindertenbeiräte auf Bundes- oder Landesebene
Gerade diese Organisationen haben oft Erfahrung mit politischen Verfahren, Gesetzesanträgen und Öffentlichkeitsarbeit. Warum wurden sie nicht beteiligt? Oder wurden sie gar nicht erst eingeladen?
Die Frage steht im Raum: Fehlt hier die Zusammenarbeit? Oder der Wille zur Bündelung von Kräften?

Letzte DGB-Stellungnahme: über ein Jahr alt
Die letzte offizielle Stellungnahme des DGB stammt vom Juli 2024. Dort forderte der Verband ein eigenes Gebärdensprachgesetz für Deutschland. Die Erklärung gab es als PDF und als Video in Deutscher Gebärdensprache.
Seitdem ist nichts mehr passiert:
- Keine neue Stellungnahme
- Keine sichtbare politische Aktion
- Kein öffentlicher Druck auf Politik oder Gesellschaft
Viele Gehörlose machen sich deshalb lustig über den DGB. In sozialen Medien kursieren Kommentare wie:
- „Der DGB schläft.“
- „Die reden viel, aber tun nichts.“
- „Die verstehen uns nicht mehr.“
Dieser Spott ist ein deutliches Zeichen für den Verlust an Vertrauen.
Was erwarten die Gehörlosen?
Viele Gehörlose wollen endlich:
- Klarheit und Transparenz: Was macht der DGB konkret?
- Regelmäßige politische Aktivitäten: Nicht nur Reden, sondern Handeln!
- Zusammenarbeit mit anderen Verbänden: Nicht allein kämpfen, sondern gemeinsam.
- Informationen in DGS und einfacher Sprache: Damit alle mitreden können.
Der DGB müsste aktiver werden, sichtbarer, schneller in Reaktion auf politische Entwicklungen. Denn sonst ziehen sich noch mehr Gehörlose enttäuscht zurück.
Tipps für eine bessere Interessenvertretung
Was könnte sich verbessern? Hier einige Vorschläge aus der Gehörlosengemeinschaft:
- Politische Kampagnen starten: z. B. eine Petition für ein bundesweites Gebärdensprachgesetz.
- Andere Verbände einbinden: DG, VdK, Behindertenbeiräte und Selbsthilfeorganisationen.
- Stellungnahmen regelmäßig veröffentlichen: mindestens 1× pro Quartal, auch in DGS.
- Digitale Beteiligung ermöglichen: Online-Umfragen, Video-Chats, einfache Beteiligungsformen.
- Junge Gehörlose einbeziehen: neue Ideen, frischer Wind, direkter Kontakt zur Basis.
Fazit: Der DGB muss sich jetzt beweisen
Der Deutsche Gehörlosen-Bund steht heute an einem kritischen Punkt. Seit Jahrzehnten ist er die wichtigste Stimme für Gehörlose – doch diese Stimme wird immer leiser. Viele spüren: Der DGB hat den Kontakt zur Basis verloren.
Dabei ist die Aufgabe heute wichtiger denn je. Es braucht eine starke, mutige, moderne Interessenvertretung – auf bundesweiter Ebene, gut vernetzt, mit klaren Zielen.
Wenn der DGB wieder Vertrauen gewinnen will, muss er zeigen:
- Wir hören euch.
- Wir handeln.
- Wir kämpfen für euch.
Sonst riskieren wir, dass zentrale Forderungen wie ein Gebärdensprachgesetz auf Bundesebene weiter verschoben oder gar nicht umgesetzt werden.
Hinweis:
Dieser Text soll zur Diskussion anregen. Deaf24 lädt ein, offen, sachlich und konstruktiv über die Zukunft des DGB zu sprechen – und gemeinsam Wege zu finden, wie die politische Stimme der Gehörlosen wieder stark werden kann.

