Nigeria – Eine aktuelle Aussage des nigerianischen Polizeichefs Kayode Egbetokun sorgt international für Empörung – besonders unter gehörlosen Menschen und Organisationen für Menschen mit Behinderungen. Der Generalinspekteur der nigerianischen Polizei erklärte öffentlich, dass es in der Polizei „keine Arbeitsplätze für Taube Menschen“ gebe. Diese Aussage wirft ernste Fragen zur Inklusion, zu Menschenrechten und zur Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen auf. Der folgende Text ordnet die Aussagen ein, erklärt den Hintergrund und zeigt, warum diese Haltung problematisch ist – auch aus Sicht der internationalen Behindertenrechte.
Aussage des Polizeichefs sorgt für Kritik
Kayode Egbetokun äußerte sich, der Generalinspekteur der nigerianischen Polizei (IGP), während einer Konferenz mit leitenden Polizeibeamten in Abuja zur aktuellen Rekrutierungspolitik der Polizei. Dabei erklärte er offen, dass es innerhalb der nigerianischen Polizei derzeit keine Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen, insbesondere für „deaf and dumb persons“ gebe – eine Formulierung, die international als diskriminierend gilt.
Egbetokun betonte, dass die Polizei besondere Anforderungen habe und man deshalb sehr genau auswählen müsse, wen man einstelle. Polizeiarbeit sei sensibel, gefährlich und erfordere besondere körperliche und kommunikative Fähigkeiten. Deshalb könne man Menschen mit Behinderungen derzeit nicht berücksichtigen.
Hintergrund: Streit um Polizeirekrutierung
Die Aussagen fielen im Zusammenhang mit einem Konflikt zwischen der Nigeria Police Force (NPF) und der Police Service Commission (PSC). Die PSC ist offiziell für die Einstellung neuer Polizeikräfte zuständig. Laut Egbetokun gebe es jedoch Unstimmigkeiten, weil die Polizei befürchte, dass die Qualität der Rekrutierung leide.
Der Polizeichef erklärte, man wolle „keine Fehler machen“, da schlechte Entscheidungen bei der Personalwahl langfristig die Sicherheit des Landes gefährden könnten. Er betonte, dass die Polizei nicht gegen die Kommission arbeite, sondern lediglich sicherstellen wolle, dass nur geeignete Personen eingestellt werden.
Ausschluss von Menschen mit Behinderung
Besonders kritisch ist die klare Aussage, dass Menschen mit Behinderungen – konkret gehörlose Menschen – derzeit keinen Platz innerhalb der nigerianischen Polizei hätten. Wörtlich sagte Egbetokun sinngemäß, dass diese Personen „andere Jobs finden sollten“.
Diese Haltung steht im starken Widerspruch zu internationalen Standards, insbesondere zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), die Nigeria unterzeichnet hat. Die Konvention verpflichtet Staaten dazu, Menschen mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu Arbeit im öffentlichen Dienst zu ermöglichen und angemessene Vorkehrungen zu treffen.
„Vielleicht in der Zukunft“ – ein schwaches Versprechen
Der Polizeichef ließ zwar offen, dass es in Zukunft möglicherweise Änderungen geben könne. Er sprach davon, dass moderne Polizeiarbeit inklusiver werde und man eines Tages vielleicht auch Menschen mit Behinderungen einstellen könne – vorausgesetzt, es gäbe spezielle Schulungen und Strukturen.
Diese Aussage bleibt jedoch vage. Konkrete Pläne, Zeitrahmen oder Maßnahmen nannte er nicht. Für viele Betroffene klingt dies eher nach einer Vertröstung als nach echtem Willen zur Veränderung.
Internationale Kritik und menschenrechtliche Perspektive
Weltweit kämpfen gehörlose Menschen seit Jahrzehnten für gleiche Rechte im Arbeitsmarkt – auch in sicherheitsrelevanten Berufen. In vielen Ländern gibt es bereits Polizistinnen und Polizisten mit Behinderungen, die erfolgreich in verschiedenen Bereichen arbeiten, etwa in Verwaltung, Prävention, IT, Kommunikation oder Ermittlungsunterstützung.
Die pauschale Aussage, dass gehörlose Menschen grundsätzlich nicht geeignet seien, gilt als diskriminierend und veraltet. Moderne Technik, Gebärdensprachdolmetschung, visuelle Alarmsysteme und spezialisierte Aufgabenbereiche ermöglichen längst eine inklusive Arbeitswelt.
Reaktionen und offene Fragen
Die Aussagen des Polizeichefs haben in Nigeria und darüber hinaus Kritik ausgelöst – insbesondere von Behindertenorganisationen, Menschenrechtsgruppen und Aktivisten für Inklusion. Viele fordern eine öffentliche Entschuldigung, eine Klarstellung sowie konkrete Schritte zur Umsetzung von Inklusion im Polizeidienst.
Zugleich wirft der Fall grundsätzliche Fragen auf:
- Wie ernst meint es Nigeria mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention?
- Warum werden Menschen mit Behinderungen pauschal ausgeschlossen, statt individuell bewertet?
- Welche Rolle spielt Aufklärung über Inklusion innerhalb staatlicher Institutionen?
Fazit
Die Aussagen des nigerianischen Polizeichefs zeigen deutlich, dass Inklusion in staatlichen Strukturen noch immer kein selbstverständlicher Teil der Realität ist. Für gehörlose Menschen und andere Menschen mit Behinderungen ist dies ein weiterer Beweis dafür, wie tief Vorurteile und strukturelle Ausgrenzung verankert sind.
Gleichzeitig macht der Fall deutlich, wie wichtig öffentliche Diskussion, kritische Berichterstattung und internationaler Druck sind. Inklusion darf kein leeres Wort bleiben – sie muss sich auch in der Praxis zeigen, besonders bei staatlichen Institutionen, die für Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung stehen sollten.

