Anfang letzten Jahres, 2025, wurde der neue Vorstand des Landesverbands Bayern der Gehörlosen gewählt. Marcus Wilams übernahm den Vorsitz. Unter seiner Leitung startete der Verband zahlreiche Projekte und Veranstaltungen. Dazu gehören das Adult Camp für Erwachsene, die Deaf Performance als künstlerische Begegnung, Seminare wie „Mentales Wohlbefinden im Berufsleben“ sowie die Ideenfabrik. Auch Vereinsberatung und Schulungen für Mitglieder sind Teil des Angebots.
Diese kulturellen und sozialen Aktivitäten stärken die Gemeinschaft und bieten Raum für Austausch und persönliche Entwicklung. Doch viele Gehörlose fragen sich weiterhin: Wo bleiben die konkreten Verbesserungen für unseren Alltag?
Viel Kultur, wenig Verbesserung im Alltag – Wo bleibt die Barrierefreiheit?
Trotz hoher Zuschüsse und Fördergelder gibt es weiterhin viele ungelöste Probleme im Alltag:
- Die Vermittlung von Gebärdensprachdolmetscher*innen (GSD) funktioniert oft nur schleppend, mit langen Wartezeiten und undurchsichtigen Abläufen.
- Barrierefreie Kommunikation bei Behörden, Polizei und Kliniken fehlt oft komplett – besonders im Rathaus München, der Landeshauptstadt.
- Die Notfallbereitschaft für Gebärdensprachdolmetscher*innen ist praktisch nicht vorhanden. Besonders gravierend ist das bei Frauengewalt: Hier gibt es keine GSD-Bereitschaft, obwohl schnelle und sichere Kommunikation in solchen Fällen lebenswichtig wäre.
- Viele Gehörlose fühlen sich vom Verband politisch schwach vertreten und erleben kaum Fortschritte bei den wichtigen Themen.
- Die Zusammenarbeit mit Behörden und wichtigen Institutionen funktioniert nur schleppend oder gar nicht.
Andere Länder, auch mit weniger finanziellen Mitteln, sind oft besser organisiert. Dort gibt es klarere Strukturen, mehr Engagement und echte Barrierefreiheit in der Kommunikation.
Kritische Stimmen zum neuen Vorstand – Zweifel bleiben bestehen
Schon vor der Wahl des neuen Vorstands gab es viele Zweifel, ob dieser die großen Herausforderungen wirklich meistern kann. Nach einem Jahr bestätigen sich diese Befürchtungen:
- Der Verband wirkt handlungsunfähig und politisch schwach.
- Es gibt viel Reden und Versprechen, aber kaum konkrete Ergebnisse.
- Konstruktive Gespräche finden statt, doch Umsetzung und wirkliche Veränderungen fehlen.
- Barrierefreie Kommunikation im Rathaus München ist weiterhin nicht gewährleistet – ein Zeichen von Versagen.
- Besonders die fehlende Notfallbereitschaft für Dolmetscher*innen bei kritischen Situationen, wie bei Frauengewalt, ist erschreckend.
Viele Gehörlose fragen sich: Ist Marcus Wilams wirklich der richtige Vorsitzende für diese wichtige Aufgabe?
Kultur darf nicht von den Grundrechten ablenken
Kulturelle Angebote und Seminare sind wichtig und bereichern das Leben der Gehörlosengemeinschaft. Doch sie dürfen nicht die einzige oder hauptsächliche Aufgabe des Verbandes sein.
Der Landesverband muss auch dringend konkrete Verbesserungen für den Alltag der Gehörlosen schaffen:
- Schnellere und transparente Vermittlung von Gebärdensprachdolmetscher*innen
- Anerkennung und Finanzierung von Kommunikationshelfern ohne Diplom
- Barrierefreie Kommunikation bei Behörden, Polizei und Kliniken
- Notfallbereitschaft für Dolmetscher*innen, gerade bei sensiblen Situationen wie Frauengewalt
- Unterstützung bei Schule, Ausbildung und Arbeit
Nur so kann echte Teilhabe und Inklusion gelingen.
Fazit: Ein Jahr unter neuem Vorstand – Mehr Kultur, aber wenig Alltagsfortschritt
Der Landesverband Bayern der Gehörlosen hat unter dem neuen Vorstand viele kulturelle und soziale Projekte umgesetzt. Diese Leistungen sind wichtig und verdienen Anerkennung.
Gleichzeitig bleiben die großen Alltagsprobleme vieler Gehörloser ungelöst. Im Vergleich zu anderen Ländern mit weniger Mitteln hinkt Bayern hier weit hinterher. Besonders gravierend sind die fehlende Notfallbereitschaft und die mangelnde Barrierefreiheit in Behörden.
Für die Zukunft wünschen sich viele Gehörlose, dass der Landesverband seine Rolle besser nutzt, um neben Kultur auch echte Lösungen für den Alltag zu schaffen und so die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

