Home HörgeschädigtPolitikGehörlosengeld in Bayern – Wie geht es jetzt weiter?

Gehörlosengeld in Bayern – Wie geht es jetzt weiter?

by info@deaf24.com

Das Gehörlosengeld ist eine dringend benötigte finanzielle Unterstützung für gehörlose und hochgradig hörgeschädigte Menschen. Es soll helfen, zusätzliche Kosten im Alltag auszugleichen – etwa für Gebärdensprachdolmetscher, Hörtechnik oder Kommunikationshilfen.

In Bayern wird die Einführung dieser Leistung seit vielen Jahren diskutiert, aber bis heute gibt es keine dauerhafte Lösung. Am 29. Oktober 2025 hat der Bayerische Landtag erstmals über einen Gesetzentwurf der Grünen-Fraktion beraten, der das Gehörlosengeld endlich einführen soll.

Dieser Text erklärt verständlich, barrierefrei und umfassend, warum das Gehörlosengeld so wichtig ist, wie die politische Lage aussieht und was die nächsten Schritte sein könnten.

 

Danke an Kogeba! Wir durften sein Video benutzen.

Das vorläufige Protokoll zur Sitzung ist bereits online einsehbar:
Link: https://ogy.de/62Plenarsitzung_Protokoll

 

Warum das Gehörlosengeld so wichtig ist

Viele gehörlose Menschen erleben im Alltag zusätzliche finanzielle Belastungen, die von anderen Sozialleistungen nicht ausreichend gedeckt werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kosten für Gebärdensprachdolmetscher, wenn kein Anspruch auf Kostenübernahme besteht
  • Anschaffung und Wartung von Hörgeräten oder Vibrationssystemen
  • Technische Hilfsmittel zur Kommunikation
  • Aufwendungen für barrierefreie Teilhabe im Beruf oder im Privatleben

Diese Mehrkosten müssen oft aus eigener Tasche bezahlt werden. Das geplante Gehörlosengeld soll diese Lücke schließen und so mehr Chancengleichheit und Lebensqualität schaffen.

Für viele Betroffene bedeutet das nicht nur finanzielle Entlastung, sondern auch mehr Selbstbestimmung – etwa beim Zugang zu Informationen, Bildung, Arbeit oder Freizeitangeboten.

 

Politischer Hintergrund: Ein langer Weg

Die Diskussion um das Gehörlosengeld in Bayern ist nicht neu. Schon seit fast 30 Jahren fordern Betroffene und Verbände eine gesetzliche Regelung.

Im Jahr 2018 wurde das Thema erstmals im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern erwähnt. Dort hieß es, man wolle ein Gehörlosengeld prüfen und vorbereiten. Doch bis 2025 blieb es bei Absichtserklärungen, ohne dass konkrete Haushaltsmittel bereitgestellt wurden.

In der Zwischenzeit gab es lediglich Einmalzahlungen, die jedoch nur einen kurzfristigen Ausgleich boten. Viele Gehörlose kritisierten diese Praxis als unzureichend und nicht gerecht.

Der neue Gesetzentwurf der Grünen vom Herbst 2025 soll diese Lücke nun endlich schließen. Er schlägt vor, das bestehende Blindengeldgesetz zu erweitern. Geplant ist:

  • 60 Prozent des Blindengeldes (mind. 411 Euro pro Monat) für gehörlose Menschen
  • 30 Prozent des Blindengeldes (mind. 205 Euro pro Monat) für hochgradig hörgeschädigte Menschen mit beidseitigem Hörverlust ab 80 % und einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70

Die geschätzten Kosten liegen bei etwa 50 Millionen Euro pro Jahr – eine moderate Summe im Verhältnis zum gesellschaftlichen Nutzen, sagen Befürworter.

 

Aktueller Stand: Landtag hat erstmals beraten

Am 29. Oktober 2025 wurde der Gesetzentwurf im Bayerischen Landtag zum ersten Mal öffentlich beraten. Dabei sprachen sich die Grünen und mehrere Oppositionsparteien klar für die Einführung aus.

Die Regierungsfraktionen von CSU und Freien Wählern zeigten sich zwar grundsätzlich offen, legten aber keinen eigenen Entwurf vor und stellten auch keine Finanzmittel im Haushalt bereit. Deshalb wurde noch keine Entscheidung getroffen.

Die endgültige Abstimmung steht also noch aus. Beobachter erwarten, dass das Thema 2026 erneut im Landtag auf der Tagesordnung steht.

Viele Verbände und Betroffene reagieren mit gemischten Gefühlen: Freude über den Fortschritt – aber auch Ungeduld, weil schon so viele Jahre vergangen sind. Der Landesverband Bayern der Gehörlosen (LVBY) fordert, dass nun endlich gehandelt wird.

 

Was die Einführung für Betroffene bedeuten würde

Für gehörlose Menschen wäre das Gehörlosengeld ein großer Schritt nach vorn. Es würde helfen, mehr Unabhängigkeit zu erreichen und barrierefreie Kommunikation im Alltag zu ermöglichen.

Auch im Berufsleben könnte das Gehörlosengeld neue Chancen eröffnen, da viele Hörbehinderte Dolmetschkosten oder technische Hilfsmittel bisher selbst finanzieren müssen.

Darüber hinaus hätte das Gesetz eine symbolische Bedeutung: Es wäre ein klares Signal, dass Bayern die Gleichstellung von Menschen mit Hörbehinderung ernst nimmt – ähnlich wie andere Bundesländer, die bereits ein Gehörlosengeld eingeführt haben.

 

Fazit: Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit

Das bayerische Gehörlosengeld wäre ein langersehntes Signal der Anerkennung. Es würde gehörlosen Menschen endlich die Unterstützung geben, die in anderen Bundesländern längst selbstverständlich ist.

Die Beratung im Landtag im Oktober 2025 war ein wichtiger Meilenstein, doch die politische Entscheidung steht noch aus.

Jetzt ist es an der Zeit, dass Politik und Gesellschaft gemeinsam zeigen:
Gehörlose Menschen verdienen nicht nur Aufmerksamkeit – sondern echte Gleichstellung.

Das Gehörlosengeld wäre dabei ein wichtiger Schritt hin zu mehr Respekt, Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit in Bayern.

Related Posts

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.