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Rente mit 67, 65 oder 70? Was Gehörlose wissen müssen

by info@deaf24.com

Gerne – hier ist ein ausführlich überar

In sozialen Medien verbreiten Finanzberater aktuell die Behauptung, dass die Rente in Deutschland bald erst mit 70 Jahren möglich sein soll. Besonders gehörlose Menschen werden dabei oft mit Halbwissen oder Angst angesprochen. Deshalb möchten wir von Deaf24 neutral und verständlich erklären:

  • Wie funktioniert die gesetzliche Rente wirklich?
  • Was gilt für Schwerbehinderte – also auch viele Gehörlose?
  • Und: Braucht man wirklich eine private Vorsorge?

Gesetzliche Rente – kurz erklärt

In Deutschland gibt es eine gesetzliche Rentenversicherung. Wer arbeitet, zahlt jeden Monat Beiträge ein. Später bekommt man dafür eine monatliche Altersrente. Wie hoch diese Rente ist, hängt davon ab:

  • Wie lange man gearbeitet hat.
  • Wie viel man verdient hat.
  • Ob man Ausfallzeiten hatte (z. B. Kindererziehung, Krankheit).
  • Ob man früher oder später in Rente geht.

Ab wann kann man in Rente gehen?

Das Rentenalter ist nicht für alle gleich. Hier die wichtigsten Regeln:

GruppeRente ohne AbschlägeFrühere Rente mit Abschlägen
Alle ohne Schwerbehinderung67 Jahreab 63 Jahren
Menschen mit Schwerbehinderung (mind. GdB 50)65 Jahreab 62 Jahren

Achtung: Die genauen Altersgrenzen hängen vom Geburtsjahr ab. Die Deutsche Rentenversicherung hilft hier mit einer individuellen Auskunft.

Was heißt „mit Abschlägen“?

Wer vor dem regulären Rentenalter in Rente geht, bekommt weniger Geld pro Monat. Es gibt einen Abzug von 0,3 % pro Monat (also 3,6 % pro Jahr) dauerhaft – für den Rest des Lebens. Das ist gesetzlich so geregelt. Beispiel:

  • Rentenbeginn mit 64 statt 65 = 3,6 % weniger Rente
  • Rentenbeginn mit 62 statt 65 = 10,8 % weniger Rente

Gehörlose und Rente: Schwerbehinderung hilft – aber nicht automatisch

Viele Gehörlose haben einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr. Damit gelten sie als schwerbehindert. Diese Menschen dürfen 2 Jahre früher abschlagsfrei in Rente gehen. Das ist ein Vorteil – aber:

  • Man bekommt nicht automatisch mehr Geld.
  • Im Gegenteil: Wer früher geht, hat weniger Rentenpunkte, weil er kürzer arbeitet.

Falsch ist also die Vorstellung: „Mit Schwerbehinderung bekomme ich automatisch mehr Rente.“ Die monatliche Rente kann sogar niedriger sein, wenn man früh geht.

Diskussion: Rente mit 70 – was ist da dran?

Einige Politiker und Wirtschaftsexperten sprechen über eine mögliche Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre. Grund: Die Menschen werden älter, aber es gibt weniger junge Beitragszahler. Bisher ist das nur eine Idee – keine Entscheidung.

Die gesetzliche Regelung bleibt (Stand Mai 2025):

  • Rente mit 67 für alle (schrittweise eingeführt seit 2007).
  • Für Schwerbehinderte: abschlagsfrei ab 65.

Eine Erhöhung auf 70 Jahre ist noch nicht beschlossen und würde viele Jahre Vorlaufzeit brauchen.

Reicht die gesetzliche Rente aus?

Ob die gesetzliche Rente im Alter reicht, ist sehr unterschiedlich:

  • Wer viele Jahre gearbeitet und gut verdient hat, bekommt meist genug.
  • Wer lange krank war, oft arbeitslos oder in Teilzeit gearbeitet hat, bekommt weniger.
  • Frauen, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderung haben oft weniger Rente.

Deshalb kann private Vorsorge wichtig sein – aber sie ist nicht immer zwingend nötig.

Private Vorsorge – sinnvoll, aber nicht überstürzt

Viele Finanzberater empfehlen private Altersvorsorge. Das kann sinnvoll sein – aber man sollte genau prüfen, ob und was wirklich passt:

Möglichkeiten:

  • Riester-Rente (mit Förderung vom Staat)
  • Betriebsrente (über den Arbeitgeber)
  • Private Rentenversicherung
  • Sparplan oder ETF (für Fortgeschrittene)

Wichtig dabei:

  • Produkte vergleichen
  • Keine hohen Gebühren zahlen
  • Verträge gut verstehen (am besten in Gebärdensprache erklärt)
  • Nicht aus Angst oder Zeitdruck unterschreiben

Unser Tipp: Unabhängige Beratung suchen

Viele Gehörlose vertrauen auf Tipps in sozialen Medien oder von Bekannten. Doch nicht jeder Berater ist unabhängig. Manche wollen nur verkaufen – oft mit Angst („Rente reicht nicht!“) oder Druck („Du musst jetzt handeln!“).

Deshalb empfehlen wir:

  • Deutsche Rentenversicherung: bietet kostenlose Rentenauskunft und Beratung
  • Sozialverbände wie VdK oder SoVD
  • Verbraucherzentrale: unabhängig, keine Verkaufsabsicht

Am besten ist es, wenn die Beratung in leichter Sprache oder mit Gebärdensprachdolmetscher erfolgt. Dafür kann man auch Anspruch auf Kostenerstattung prüfen.

Fazit

Die Rente in Deutschland ist ein komplexes Thema. Viele Aussagen im Internet sind vereinfacht oder irreführend. Wichtig ist:

  • Gehörlose mit Schwerbehinderung haben Vorteile beim Renteneintritt, aber nicht automatisch mehr Geld.
  • Wer früher geht, bekommt weniger Rente.
  • Eine Erhöhung auf 70 Jahre ist nicht beschlossen – derzeit gilt Rente mit 67.
  • Private Vorsorge kann sinnvoll sein, muss aber zu dir passen.
  • Lass dich neutral beraten – am besten mit Dolmetscher oder leicht verständlich.

Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

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