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CODA: Hörende Kinder gehörloser Eltern

by info@deaf24.com

CODA ist eine Abkürzung und bedeutet Children of Deaf Adults – also hörende Kinder von gehörlosen Eltern. Diese Kinder wachsen in einer besonderen Situation auf: Sie lernen Gebärdensprache von Geburt an und sprechen später auch Lautsprache. CODAs leben in zwei Welten: in der Gehörlosenwelt ihrer Eltern und in der hörenden Welt draußen.

Zwei Sprachen, zwei Kulturen

CODAs wachsen bilingual (mit zwei Sprachen) auf:

  • Die erste Sprache ist meist Gebärdensprache – zuhause mit den Eltern.
  • Die zweite Sprache ist Lautsprache – z. B. im Kindergarten, in der Schule oder bei Hörenden.

Viele CODAs leben auch bikulturell:

  • Sie kennen und verstehen die Kultur der Gehörlosen.
  • Sie bewegen sich gleichzeitig in der hörenden Welt.

Das ist für viele CODAs eine Stärke – aber auch manchmal ein Problem.

Verantwortung schon als Kind

Viele CODAs helfen ihren gehörlosen Eltern beim Dolmetschen:

  • Beim Arzt
  • In der Schule
  • Bei Behörden

Sie übernehmen Aufgaben, die eigentlich Erwachsene machen sollten. Manche CODAs fühlen sich dadurch überfordert oder wie ein Elternteil.

Innere Konflikte

CODAs fühlen sich oft zwischen zwei Welten:

  • Sie gehören zur Gehörlosenkultur, weil ihre Eltern gehörlos sind.
  • Gleichzeitig sind sie hörend und gehören auch zur hörenden Gesellschaft.

Das führt manchmal zu Identitätsproblemen:

  • Wo gehöre ich wirklich hin?
  • Bin ich „hörend“ oder „gehörlos aufgewachsen“?
  • Warum verstehen mich manche Hörende oder Gehörlose nicht?

Schwierigkeiten mit der hörenden Welt

In der hörenden Welt erleben CODAs manchmal:

  • Vorurteile: Viele Menschen glauben, dass die ganze Familie gehörlos ist.
  • Unverständnis: Die Gehörlosenkultur wird oft nicht verstanden.
  • Verletzende Sprüche: CODAs hören negative Aussagen über Gehörlose – sagen aber oft nichts, um ihre Eltern zu schützen.

Nicht immer akzeptiert in der Gehörlosenwelt

Obwohl CODAs die Gebärdensprache sehr gut können, erleben manche:

  • Misstrauen: Sie werden als „zu hörend“ angesehen.
  • Ablehnung: Besonders dann, wenn sie z. B. als Dozent:in für Gebärdensprache arbeiten.

Viele CODAs wollen die Gehörlosenkultur respektvoll weitergeben, aber stoßen auf Vorurteile. Trotzdem gibt es auch Anerkennung – weil CODAs oft als Brückenbauer gesehen werden.

Unterschied zwischen CODA und KODA

  • KODA bedeutet: hörendes Kind gehörloser Eltern unter 18 Jahren.
  • CODA bedeutet: hörendes Kind gehörloser Eltern – egal welches Alter.

Kinder (KODA) haben mehr Aufgaben im Alltag mit den Eltern.
Erwachsene (CODA) denken oft über ihre eigene Identität nach und wie sie mit beiden Welten umgehen.

Wie wichtig ist die Gebärdensprache?

Für viele CODAs ist Gebärdensprache die erste Sprache.
Sie prägt das ganze Leben:

  • CODAs lernen visuelle Kommunikation und achten mehr auf Mimik, Gestik und Blickkontakt.
  • In der hörenden Welt wirkt das manchmal ungewöhnlich – z. B. wenn jemand sehr direkt ist oder anders schaut.

Welche Hilfe gibt es für CODAs?

Es gibt verschiedene Angebote:

  • CODA-Workshops: Für Kinder ab 8 Jahren und Eltern. Sie lernen, wie man mit Stress, Verantwortung und Sprache besser umgehen kann.
  • Frühförderung: In Einrichtungen wie der LWL-Westkampschule bekommen CODA-Kinder schon vor der Schule Hilfe beim Sprechen, Gebärden und im Sozialverhalten.
  • Austausch-Gruppen: Organisationen wie CODA Deutschland e. V. bieten Treffen, Beratungen und Online-Treffen für CODAs an.

Wie entwickelt sich die Identität?

Die Erfahrungen von CODAs verändern sich im Laufe des Lebens:

  • Kindheit: CODAs fühlen sich oft verantwortlich und dolmetschen für die Eltern.
  • Jugend: Es kommt zu inneren Konflikten – sie möchten zu hörenden Freund:innen dazugehören, aber auch loyal zur Familie bleiben.
  • Erwachsenenalter: CODAs suchen ihren eigenen Weg, möchten unabhängig sein, fühlen sich aber manchmal schuldig, wenn sie die Eltern nicht mehr täglich unterstützen können.

Fazit: CODA ist eine besondere Erfahrung

CODAs haben ein besonderes Leben:
Sie sind hörend, aber gleichzeitig tief mit der Gehörlosenkultur verbunden.
Sie übernehmen oft früh Verantwortung, helfen den Eltern, dolmetschen, und leben mit zwei Sprachen und zwei Kulturen.

Diese Erfahrung ist wertvoll – aber auch mit Herausforderungen verbunden.
Wichtig ist, dass CODAs Unterstützung bekommen, verstanden werden – und ihre eigene Identität in beiden Welten finden dürfen.

Bild von Mabel Amber, who will one day auf Pixabay

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