In Buxerolles (Frankreich) hat Antoine Hervé, ein junger Mann, der von Geburt an gehörlos ist, im April 2025 seine eigene Chocolaterie eröffnet. Nach vielen Hindernissen in seiner beruflichen Ausbildung und Arbeitssuche hat er beschlossen, sein eigener Chef zu werden. Vor der Ladentür locken Pralinés, Ganaches und feine Schokoladenkreationen. Antoine zeigt, dass Gehörlosigkeit kein Hindernis sein muss, um Träume zu verwirklichen.
Vom Traum zur Realität: Eigene Chocolaterie
Antoine Hervé hat schon als Kind eine Leidenschaft für Schokolade entwickelt. Nach Abschluss seiner Ausbildung in Patisserie und Chocolaterie wollte er arbeiten – doch die Jobsuche war schwierig. Viele Arbeitgeber scheuten den Aufwand, mit einem gehörlosen Mitarbeiter zu kommunizieren. „Es ist manchmal einfacher, sein eigener Chef zu sein, als einen Job zu finden, wenn man gehörlos ist“, sagt Antoine.
Seine Mutter Corinne erzählt, dass Antoine in Paris ein Praktikum absolvierte, bei dem er mit Unterstützung eines Dolmetschers einige Stunden pro Woche die Theorie lernte. Den praktischen Teil erlernte er direkt bei seinem Chef und den Kollegen, die sich die Zeit nahmen, alles genau zu zeigen. Geduld und Verständnis halfen Antoine, die Techniken sicher zu erlernen.
In Poitiers stieß er hingegen auf viele Ablehnungen. Arbeitgeber waren unsicher, wie die Kommunikation funktionieren sollte. „Manchmal glaubt man, dass es kompliziert ist, aber es gibt inzwischen viele Hilfsmittel, wie Spracherkennung auf dem Handy. Trotzdem fehlt oft die Bereitschaft“, erklärt Corinne.
Barrieren überwinden: Tipps für Gehörlose im Beruf
Antoines Weg zeigt, dass Hindernisse überwunden werden können. Er betont: „Man darf nicht auf die hören, die sagen, wir schaffen das nicht, weil wir gehörlos sind.“ Motivation, Selbstvertrauen und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, sind entscheidend.
Für gehörlose Menschen, die eine eigene Firma oder einen Job suchen, kann folgende Orientierung helfen:
- Praktische Erfahrung sammeln: Viele Fähigkeiten lassen sich direkt im Betrieb erlernen.
- Dolmetscher oder Kommunikationshilfen nutzen: Für Schulungen, Gespräche oder Kundentermine kann professionelle Unterstützung helfen.
- Technische Hilfsmittel einsetzen: Smartphone, Spracherkennung, Chat-Apps oder Video-Dolmetschen erleichtern die Kommunikation.
- Netzwerke aufbauen: Andere gehörlose Unternehmer oder Vereine können Tipps geben und Erfahrungen teilen.
Die Chocolaterie in Buxerolles
Seit April steht Antoine selbst in Buxerolles hinter seiner Schaufensterfront. Die Produkte – von feinen Pralinés bis zu Ganaches mit Rosenblüten – werden in einem kleinen Atelier in der Nähe hergestellt. Die Kunden sind begeistert, viele sind neugierig auf den jungen Chocolatier, der trotz Gehörlosigkeit sein eigenes Geschäft führt.
Trotz der Begeisterung bleibt die Kommunikation mit Kunden eine Herausforderung. Oft übernimmt seine Mutter Corinne den Verkauf am Tresen, manchmal auch sein Vater. Antoine kommt zwei- bis dreimal pro Woche in die Boutique, um persönlich zu zeigen, dass er der Schöpfer seiner Schokoladen ist. Kunden sind oft überrascht und beeindruckt: „Es ist erstaunlich, wie er alles alleine schafft.“
Unterstützung durch spezielle Hilfen
Um die Kommunikation weiter zu verbessern, nutzt Antoine spezielle Hilfsmittel. Die Familie bereitet derzeit einen Antrag bei Agefiph vor, einer Organisation, die Menschen mit Behinderung bei der Arbeitsintegration unterstützt. Ziel ist, dass Antoine bei Missverständnissen mit Kunden über Video-Dolmetscher in Gebärdensprache kommunizieren kann. So kann ein Dolmetscher gleichzeitig mit Antoine und dem Kunden sprechen, was die Verständigung erleichtert.
Bereits einen Monat nach der Eröffnung denkt Antoine darüber nach, einen Lehrling oder Praktikanten einzustellen – idealerweise jemanden, der ebenfalls die Gebärdensprache beherrscht. Dies würde nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern auch die Integration gehörloser Mitarbeiter fördern.
Bedeutung für die Deaf-Community
Antoines Erfolg ist mehr als nur eine persönliche Leistung. Er zeigt der Deaf-Community, dass selbstständiges Arbeiten möglich ist, wenn Barrieren überwunden werden. Viele gehörlose Kinder und Jugendliche könnten motiviert werden, ihre eigenen Talente zu entwickeln und beruflich aktiv zu werden.
Darüber hinaus sensibilisiert seine Chocolaterie die Gesellschaft für die Herausforderungen von Menschen mit Hörbehinderung. Kunden erkennen, dass Gehörlosigkeit kein Hindernis für Kreativität, Qualität oder Unternehmergeist ist.
Fazit
Die Geschichte von Antoine Hervé ist ein Beispiel dafür, wie Entschlossenheit, Unterstützung durch Familie und gezielte Hilfsmittel zum Erfolg führen können. Seine Chocolaterie in Buxerolles zeigt, dass Gehörlosigkeit nicht bedeutet, auf berufliche Träume verzichten zu müssen. Für die Deaf-Community ist Antoine ein Vorbild, das Mut macht, Hindernisse zu überwinden, Chancen zu nutzen und eigene Projekte zu realisieren.
Antoines Weg unterstreicht auch die Bedeutung von inklusiver Unterstützung: Dolmetscher, technische Hilfsmittel und verständnisvolle Kollegen können Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Für viele gehörlose Menschen ist sein Beispiel eine Inspiration, dass selbst schwierige Barrieren überwunden werden können, wenn Mut, Engagement und die richtigen Mittel zusammenkommen.

