In Deutschland sind taube Menschen vom Soldatenberuf ausgeschlossen. Sie dürfen weder zur Bundeswehr einberufen noch sich freiwillig bewerben. Viele empfinden das als ungerecht – denn taube Menschen können in vielen Bereichen gut arbeiten, auch im Militär. In anderen Ländern ist das zum Teil möglich. Warum also in Deutschland nicht?
Dieser Artikel erklärt verständlich und ausführlich, warum taube Menschen keine Soldaten werden dürfen, welche Möglichkeiten es trotzdem gibt – und was andere Länder wie Israel anders machen.
Taube Menschen bei der Bundeswehr – was ist erlaubt, was nicht?
In Deutschland dürfen taube Menschen nicht als Soldat in Uniform arbeiten. Die Bundeswehr fordert für alle Soldaten ein Mindestmaß an Hörvermögen. Wer taub ist oder stark schwerhörig, gilt als „wehrdienstunfähig“. Das gilt auch für den freiwilligen Wehrdienst.
Warum?
Laut Bundeswehr ist das Hören wichtig, um Befehle schnell zu verstehen, auf Warnsignale zu reagieren und in gefährlichen Situationen einsatzfähig zu bleiben. Diese Anforderungen gelten für alle Bereiche – auch für nicht-kämpfende Soldaten wie in der Technik, Logistik oder im Sanitätsdienst.
Was ist möglich?
Taube Menschen können bei der Bundeswehr im zivilen Bereich arbeiten – zum Beispiel in der Verwaltung, in Werkstätten oder in der IT. Sie sind dann keine Soldaten, sondern zivile Mitarbeiter*innen des Verteidigungsministeriums.
Wie ist das in anderen Ländern?
Ein Beispiel ist Israel. Dort dürfen taube Menschen freiwillig zum Militärdienst, obwohl auch dort körperliche Anforderungen bestehen. Sie arbeiten oft in spezialisierten Einheiten, zum Beispiel in der IT oder bei Überwachungsaufgaben. Die Armee nutzt dort gezielt die Stärken tauber Menschen – wie gutes visuelles Denken oder Konzentration.
In Europa ist die Lage ähnlich wie in Deutschland:
- Frankreich, Österreich, Niederlande, Schweden: Taube Menschen sind dort ebenfalls vom Militärdienst ausgeschlossen.
- In vielen Ländern gibt es jedoch Versuche, taube Menschen im Zivildienst oder technischen Unterstützungsdiensten einzubeziehen – aber immer ohne Uniform.
Können taube Menschen im Krieg genauso betroffen sein?
Ja. Kriege, Gewalt und Katastrophen machen keinen Unterschied zwischen Soldat, Zivilist, Hörendem oder Taubem. Alle können verletzt, getötet oder traumatisiert werden.
Taube Menschen sind sogar manchmal stärker gefährdet, zum Beispiel weil sie Sirenen, Lautsprecherdurchsagen oder Warnungen nicht hören können.
Ein Beispiel aus der Geschichte: Im Zweiten Weltkrieg konnten viele taube Menschen bei Luftangriffen die Sirenen nicht hören und waren daher besonders gefährdet.
Deshalb ist es wichtig, dass auch taube Menschen in Katastrophenschutzpläne einbezogen werden – mit optischen Warnsignalen, barrierefreien Informationen und persönlicher Unterstützung.
Werden taube Menschen als Zivilisten besser behandelt?
Nein. Nur weil taube Menschen nicht in die Armee dürfen, bekommen sie keine Sonderrechte im zivilen Leben. Sie werden weder bevorzugt noch benachteiligt – sie haben die gleichen Rechte und Pflichten wie hörende Menschen. Auch beim Schutz durch Polizei oder Katastrophenschutz gibt es keinen Unterschied.
Allerdings haben taube Menschen Anspruch auf Unterstützung:
- In einigen Bundesländern gibt es Gehörlosengeld.
- Sie haben Anspruch auf Dolmetscher bei Behörden.
- Es gibt Hilfsmittel, z. B. Lichtsignale, Vibrationswecker oder Apps für Notfälle.
Warum werden taube Menschen nicht in passenden Bereichen eingesetzt?
Viele taube Menschen könnten sehr gut mit Drohnen, Kameras, Technik oder Erste Hilfe arbeiten. Diese Tätigkeiten sind oft visuell, nicht akustisch. Auch im Lager, der Küche oder beim Planen von Einsätzen könnten taube Menschen helfen – besonders mit Dolmetscher-Unterstützung oder Gebärdensprache.
Doch die Bundeswehr sagt: Alle Soldaten müssen auch in Notlagen spontan einsatzbereit sein.
Das heißt: Auch wer „nur“ in der Küche arbeitet, kann im Ernstfall an die Front beordert werden. Deshalb müssen alle die gleichen Anforderungen erfüllen – auch beim Hören.
Tipps für taube Menschen, die sich für Bundeswehr oder Zivilschutz interessieren
- Zivile Jobs bei der Bundeswehr: Verwaltung, Technik, Logistik – Bewerbung über www.bundeswehrkarriere.de
- Katastrophenschutz / Rettungsdienste: Deutsches Rotes Kreuz, THW oder freiwillige Feuerwehren bieten in manchen Bereichen inklusive Mitarbeit an
- Kontaktstellen: Deutscher Gehörlosenbund oder Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung helfen bei Fragen zur Berufswahl
Fazit: Gleiches Risiko – aber nicht gleiche Chance
Taube Menschen tragen das gleiche Risiko in Kriegen und Katastrophen wie alle anderen – sie sind Zivilist*innen, nicht geschützt, nicht bevorzugt. Dennoch dürfen sie nicht Soldat werden, weil die Bundeswehr das Hörvermögen als Pflicht sieht.
Das muss kein Nachteil sein – aber es bleibt ein Zeichen dafür, dass Inklusion im Militärbereich in Deutschland noch nicht angekommen ist. Andere Länder wie Israel zeigen: Es wäre möglich – wenn man die Stärken tauber Menschen anerkennt.
Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

