Immer mehr Taube Menschen in Deutschland erleben große Probleme mit dem aktuellen System der Gebärdensprachdolmetscher*innen (GSD). Obwohl diese offiziell staatlich anerkannt sind, sind viele Taube Menschen unzufrieden. Die häufigsten Beschwerden: unzuverlässige Termine, kurzfristige Absagen, fehlendes Verständnis für die taube Kultur und mangelndes Engagement im Alltag.
Deshalb fordert die Community: Es braucht mehr Kommunikationsassistent*innen (KA) – Menschen mit Nähe zur Tauben Welt, die mit Herz und Einsatz helfen, auch wenn sie kein staatliches Diplom haben.
Kritik an GSD: Fehlende Zuverlässigkeit und Nähe zur Community
Viele Taube Menschen berichten, dass GSD oft kurzfristig absagen, obwohl Termine schon lange vorher vereinbart wurden. Besonders schwer ist das bei wichtigen Terminen – zum Beispiel bei Gesprächen mit Arbeitgeber*innen, im Krankenhaus oder bei Ämtern. Wenn GSD absagen, bleiben Taube Menschen oft ohne Unterstützung zurück.
Ein großes Problem ist auch die finanzielle Ungerechtigkeit:
Wenn Taube Menschen einen Termin kurzfristig absagen, müssen sie dem*der GSD oft eine Entschädigung zahlen. Wenn aber GSD absagen – selbst ganz kurzfristig – bekommen Taube Menschen keine Entschädigung. Das empfinden viele als unfair und respektlos.
Zudem kritisieren viele, dass GSD kaum oder gar nicht an Veranstaltungen der Tauben Community teilnehmen. Viele verstehen zwar die Gebärdensprache, aber sie kennen die Kultur, die Werte und die alltäglichen Lebensrealitäten nicht. Dadurch fehlt oft das Vertrauen – besonders in sensiblen Situationen.
Kommunikationsassistent*innen – die bessere Lösung für viele
Immer mehr Taube Menschen wünschen sich deshalb den Einsatz von Kommunikationsassistent*innen. Diese haben zwar oft keine offizielle Dolmetsch-Ausbildung, aber sie bringen andere, sehr wichtige Fähigkeiten mit:
- Sie haben oft engen Kontakt zur Tauben Community oder sind selbst taub oder CODA (Children of Deaf Adults).
- Sie dolmetschen in natürlicher, alltäglicher Gebärdensprache, die besser verstanden wird.
- Sie sind zuverlässig und flexibel – viele springen auch kurzfristig ein.
- Sie arbeiten mit Herz, nicht nur wegen des Geldes oder eines Diploms.
Gerade an Wochenenden oder Feiertagen, wenn viele GSD keine Einsätze annehmen, sind Kommunikationsassistent*innen oft die einzige Hilfe. Sie sehen ihre Arbeit nicht nur als Beruf, sondern als Beitrag zur Gemeinschaft.
Benachteiligung von Kommunikationsassistent*innen beenden
Ein wachsendes Problem: In vielen Vermittlungsstellen werden Kommunikationsassistentinnen systematisch nicht vermittelt – obwohl sie verfügbar wären. Einige GSD fürchten offenbar, dass Auftraggeberinnen lieber auf Kommunikationsassistentinnen zurückgreifen, weil diese oft günstiger, flexibler oder vertrauensvoller arbeiten. Deshalb verhindern manche GSD aktiv, dass Kommunikationsassistentinnen in die offiziellen Vermittlungsverteiler aufgenommen werden.
Das führt dazu, dass taube Menschen keine echte Wahl mehr haben. Sie sind gezwungen, auf GSD zu warten – auch wenn sie lieber jemand anderen beauftragen würden. Diese gezielte Benachteiligung ist nicht akzeptabel.
Deaf24 fordert deshalb:
- Kommunikationsassistent*innen müssen gleichberechtigt in alle Vermittlungssysteme aufgenommen werden.
- Niemand darf ausgeschlossen oder unterdrückt werden, nur weil er günstiger oder beliebter bei tauben Menschen ist.
- Die Entscheidung, wer den Auftrag bekommt, muss bei den tauben Auftraggeber*innen selbst liegen – nicht bei den GSD oder den Vermittlungsstellen.
Falsche Vorurteile: Auch GSD sind nicht perfekt
Manche GSD argumentieren, dass Kommunikationsassistentinnen nicht genug Qualität bieten. Doch viele Taube Menschen sehen das anders:
Nicht jeder GSD arbeitet professionell, pünktlich oder zuverlässig. Einige lehnen sogar einfache Einsätze ab, obwohl sie verfügbar wären – oft, weil der Auftrag finanziell nicht attraktiv ist.
Das zeigt: Auch ein Diplom ist keine Garantie für gute Arbeit. Entscheidend ist das Vertrauen zwischen Taube Menschen und den Personen, die sie unterstützen. Und das entsteht durch Respekt, Ehrlichkeit, Erfahrung und echtes Interesse an der Tauben Welt – nicht durch ein Zertifikat allein.
Selbstbestimmung statt Machtspiele: Die Community braucht Mitbestimmung
Ein weiteres großes Problem, das viele taube Menschen erleben, ist das Machtgefälle zwischen Hörenden und Tauben. Entscheidungen über Dolmetschereinsätze, Budgets oder Vermittlungen werden häufig ohne Mitwirkung der tauben Community getroffen – meist von hörenden Personen in Ämtern, Vermittlungsstellen oder Organisationen.
Viele taube Menschen empfinden das als Bevormundung. Sie fühlen sich übergangen und nicht ernst genommen. Dabei geht es nicht nur um Dolmetscher oder Assistenzen – es geht um das Grundrecht auf Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe.
Deaf24 und viele aus der Community fordern daher:
• Das Machtspiel muss aufhören.
• Hörende Entscheidungsträger sollten nicht über die Köpfe tauber Menschen hinweg entscheiden.
• Taube Menschen müssen aktiv in die Organisation und Weiterentwicklung der Unterstützungsangebote eingebunden werden.
Denn nur die taube Community weiß wirklich, was gebraucht wird, was funktioniert und wem vertraut wird. Entscheidungen über taube Menschen dürfen nicht ohne taube Menschen getroffen werden.
Wahlfreiheit ist ein Menschenrecht
Taube Menschen wollen nicht bevormundet werden. Sie möchten selbst entscheiden können, wer sie begleitet – je nach Situation, Vertrauen und Bedarf. Das kann einee staatlich anerkannter Dolmetscher*in sein, aber auch eine vertraute Kommunikationsassistenz.
Daher fordert Deaf24:
- Recht auf Wahlfreiheit: Taube Menschen sollen selbst bestimmen dürfen, wer sie begleitet.
- Gleichberechtigte Bezahlung: Auch Kommunikationsassistent*innen sollen aus dem gleichen Budget wie GSD bezahlt werden können.
- Faire Regeln bei Absagen: Wenn GSD absagen, müssen auch Taube Menschen entschädigt werden – genauso wie umgekehrt.
- Bessere Organisation: Vermittlungsstellen sollen transparenter und gerechter arbeiten – damit nicht manche bevorzugt werden und andere ewig warten.
- Anerkennung von Lebenserfahrung: Erfahrungen und kulturelle Nähe sollen genauso wichtig sein wie ein Diplom.
Tipps für Taube Menschen
- Frühzeitig planen: Vereinbare deine Termine mit Begleitung rechtzeitig – am besten mit schriftlicher Bestätigung.
- Vertragliche Absicherung: Kläre im Vorfeld, was bei Absagen gilt – für beide Seiten.
- Erfahrungen sammeln: Sprich mit anderen Taube Menschen über gute und schlechte Erfahrungen mit GSD und KA.
- Rückmeldung geben: Wenn etwas nicht gut läuft, gib der Vermittlungsstelle oder Deaf24 Bescheid.
- Netzwerke nutzen: Suche Kommunikationsassistent*innen in deiner Region, mit denen du dich wohlfühlst.
Fazit: Vertrauen und Respekt statt starrer Regeln
Das Ziel muss eine gerechtere und menschlichere Lösung für Taube Menschen sein. Nicht jeder Einsatz braucht eine*n GSD mit Diplom – oft reicht eine gute, erfahrene Person mit Herz und Verständnis.
Deaf24 fordert: Taube Menschen brauchen echte Wahlfreiheit – und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wem sie vertrauen. Denn Kommunikation ist mehr als Sprache: Sie ist Beziehung, Verständnis und Respekt.

