Home LifestyleRatgeberPolizei führt „Ich bin gehörlos“-Karte ein – Hilfe für Notfälle

Polizei führt „Ich bin gehörlos“-Karte ein – Hilfe für Notfälle

by info@deaf24.com

Für gehörlose Menschen kann ein Polizeikontakt sehr belastend sein – besonders in Notfällen. Oft fehlen passende Kommunikationsmöglichkeiten, Missverständnisse entstehen schnell, und wichtige Informationen gehen verloren. In der englischen Grafschaft Cambridgeshire wurde nun ein neues Hilfsmittel eingeführt, das genau hier ansetzt: eine kleine Karte mit der Aufschrift „I am deaf“ („Ich bin gehörlos“). Sie soll Betroffenen helfen, sich in schwierigen Situationen schnell und verständlich mitzuteilen.

Die Initiative wurde gemeinsam von der Cambridgeshire Police und der Cambridgeshire Deaf Association (CDA) entwickelt. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und den Zugang zur Polizei für gehörlose Menschen sicherer und einfacher zu machen.

 

Was ist die „I am deaf“-Karte?

Die Karte ist klein, handlich und kann zum Beispiel im Portemonnaie getragen werden. Auf der Vorderseite steht deutlich sichtbar der Satz „I am deaf“. Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code, der mit einem Smartphone gescannt werden kann.

Dieser QR-Code führt zu einem Video-Dolmetschdienst, über den eine Gebärdensprachdolmetscherin oder ein Dolmetscher zugeschaltet wird. So kann eine direkte Kommunikation zwischen der gehörlosen Person und der Polizei stattfinden – auch dann, wenn keine Dolmetschenden vor Ort sind.

Die Karte ist vor allem für Notfälle gedacht, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall, bei einer Kontrolle oder wenn jemand dringend Hilfe braucht.

 

Warum diese Karte wichtig ist

Viele gehörlose Menschen berichten seit Jahren von großen Schwierigkeiten im Kontakt mit Polizei und anderen Behörden. Häufig fehlt das Wissen über Gebärdensprache, über kulturelle Besonderheiten oder über die richtige Art der Kommunikation.

Matthew Wheeler von der Cambridgeshire Deaf Association erklärt, dass viele Gehörlose große Hemmungen haben, mit der Polizei zu sprechen. Oft sei es „sehr schwierig“, sich verständlich zu machen. Missverständnisse können schnell entstehen – und das kann in Stresssituationen gefährlich werden.

Die neue Karte soll helfen, diese Hürden zu senken. Sie zeigt sofort: Diese Person ist gehörlos und braucht eine andere Form der Kommunikation.

 

Video-Dolmetschen als Unterstützung

Ein zentrales Element der Karte ist der Zugang zu einem Video-Dolmetschdienst. Wird der QR-Code gescannt, kann eine Verbindung zu einer Dolmetscherin oder einem Dolmetscher aufgebaut werden, der zwischen Gebärdensprache und Lautsprache vermittelt.

Laut Matthew Wheeler ist das ein wichtiger Schritt:

„Man hat sofort eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher – egal, wo man ist. Auch bei einem Autounfall oder wenn man Hilfe braucht.“

Gerade in Situationen, in denen keine Zeit bleibt, erst einen Präsenzdolmetscher zu organisieren, kann diese Lösung hilfreich sein.

 

Zusammenarbeit zwischen Polizei und Deaf Community

Die Idee für die Karte entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Cambridgeshire Deaf Association. Ziel war es, besser zu verstehen, welche Bedürfnisse gehörlose Menschen im Kontakt mit der Polizei haben.

Polizeibeamter Jake Weldon erklärt, dass es in der Vergangenheit sehr unterschiedliche Erfahrungen gegeben habe:
Einige gehörlose Menschen hätten positive Begegnungen mit der Polizei erlebt, andere jedoch sehr negative.

„Wir möchten es einfacher machen“, sagt er. „Wenn wir sofort sehen, dass eine Person gehörlos ist, können wir besser reagieren und die richtige Unterstützung organisieren.“

Die Karte soll daher nicht nur ein technisches Hilfsmittel sein, sondern auch das Bewusstsein innerhalb der Polizei stärken.

 

Bedeutung für die Deaf-Community

Für viele gehörlose Menschen ist diese Initiative ein kleiner, aber wichtiger Schritt in Richtung mehr Selbstbestimmung und Sicherheit. Die Karte gibt ihnen ein Mittel in die Hand, um ihre Situation schnell zu erklären – ohne Stress, ohne Missverständnisse, ohne lange Erklärungen.

Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Behörden und der Deaf-Community ist. Lösungen funktionieren dann am besten, wenn sie gemeinsam entwickelt werden.

 

Fazit

Die „I am deaf“-Karte aus Cambridgeshire ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Instrument. Sie ersetzt keine umfassende Barrierefreiheit und keine professionelle Unterstützung vor Ort, kann aber in akuten Situationen entscheidend helfen.

Für viele gehörlose Menschen bedeutet sie ein Stück mehr Sicherheit, Sichtbarkeit und Respekt. Das Projekt zeigt, dass kleine Maßnahmen eine große Wirkung haben können – wenn sie gemeinsam mit der Community entwickelt werden.

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