Die Initiative des Landesverbands Bayern der Gehörlosen e.V. (LVBYGL) zur Pflege in Gebärdensprache (DGS) ist grundsätzlich wichtig. Viele gehörlose Menschen warten seit Jahren auf barrierefreie Pflegeangebote.
Es geht um ein zentrales Recht: würdevolle Pflege ohne Kommunikationsbarrieren.
Viele gehörlose Menschen sind unzufrieden mit dem LVBYGL, weil das Thema Pflege lange nicht aktiv bearbeitet wurde. Die Frage „Warum erst jetzt?“ ist berechtigt.
Warum Pflege erst jetzt Thema wird
Der LVBYGL nennt Gründe wie:
- Fokus auf Bildung und Inklusion
- Begrenzte Ressourcen
- Gesetzliche Komplexität
- Erst jetzt sichtbarer Bedarf durch ältere Generation
Trotzdem: Der Bedarf war seit Jahrzehnten bekannt.
Viele Betroffene fühlen sich zu lange übersehen.
Hat der LVBYGL etwas versäumt?
Es ist eine legitime Frage: Hat der LVBYGL Pflege zu lange vernachlässigt?
Antwort: Teilweise ja.
- Pflegeprobleme gehörloser Menschen sind nicht neu
- Kommunikationsbarrieren in der Pflege sind seit Jahren bekannt
- Früher hätten kleine Projekte, Kooperationen und DGS-Schulungen gestartet werden können
Auch ohne politische Unterstützung hätte der LVBYGL längst Maßnahmen aufbauen können.
Der Verband arbeitet unter begrenzten Ressourcen, aber die lange Verzögerung sorgt bei vielen für Unzufriedenheit.
Ungleichbehandlung trotz Beitragszahlung
Gehörlose Menschen zahlen Pflegebeiträge wie alle anderen, doch Angebote in DGS sind kaum vorhanden.
Probleme:
- Pflegepersonal kann nicht in DGS kommunizieren
- Missverständnisse bei Medikamenten und Pflegeabläufen
- Fehlende Aufklärung
- Soziale Isolation und fehlende Selbstbestimmung
Das widerspricht dem Anspruch auf gleichwertige Versorgung und Würde.
Fehlende Angebote im Alltag
Probleme beginnen nicht erst im Pflegeheim:
- Mobilität in DGS: Begleitdienste und Fahrdienste fehlen
- Betreuung vor Ort in DGS: Alltagshilfen und soziale Unterstützung kaum vorhanden
- Betreuung zu Hause in DGS: fehlt komplett, viele Gehörlose bleiben isoliert
Kinderlose Gehörlose und Beiträge
Viele gehörlose Menschen zahlen höhere Beiträge, weil sie keine Kinder haben.
Das Problem liegt nicht an der Biologie, sondern daran, dass:
- Partner*innen in der Nähe schwer zu finden sind
- Viele weite Entfernungen überwinden müssen, um Beziehungen aufzubauen
- Das System wirkt strukturell belastend und unfair, weil es Menschen mit Behinderungen indirekt benachteiligt
Frühere Initiative möglich – auch ohne Politik
Praktische Maßnahmen hätten schon lange vorher starten können, unabhängig von politischen Podien:
- Aufbau kleiner DGS-Pflegeprojekte
- Kooperation mit bestehenden Pflegediensten
- Schulungen für Pflegepersonal
Kritisch: Die Initiative kommt erst spät – LVBYGL hätte auch ohne Politik längst aktiv werden können, um die Situation für gehörlose Menschen zu verbessern.
Politik ist unterstützend, aber nicht Startpunkt
Die Beteiligung von Politikern (z. B. CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen) kann helfen:
- Fördermittel für Pilotprojekte
- Gesetzliche Anpassungen
- Pflegeausbildung mit DGS-Kompetenz
Allerdings: LVBYGL behauptet, dass Finanzexpert*innen auf dem Podium sind.
- Es ist nicht klar, ob die Finanzierung von Projekten davon abhängt
- Die konkrete Umsetzung der Pflegeangebote darf nicht warten, bis Politik oder Finanzexpert*innen zustimmen
Wichtig: Die Umsetzung muss unabhängig starten, Politik darf nur unterstützen.
Fazit – jetzt zählt Umsetzung
Die Initiative des LVBYGL ist ein wichtiger Schritt, aber sie kommt spät.
Die Unzufriedenheit vieler gehörloser Menschen zeigt: Frühere und kontinuierliche Maßnahmen hätten Vertrauen geschaffen.
Jetzt muss es konkrete Ergebnisse geben:
- Ambulante DGS-Pflegeangebote
- Schulungen von Pflegepersonal
- Lokale Unterstützungsnetzwerke
Ziel: Ein würdevolles Altern ohne Isolation und Kommunikationsbarrieren.

