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DGB: Anspruchsvolle Aufgaben, niedrige Bezahlung

by info@deaf24.com

Der Deutsche Gehörlosen-Bund hat eine Stelle auf Minijob-Basis ausgeschrieben. Die Aufgaben umfassen Pflege der Webseite, Betreuung der Social-Media-Kanäle und administrative Tätigkeiten. Gefordert werden Deutsch- und Gebärdensprachkenntnisse sowie Erfahrung mit WordPress und Social Media. Die Bezahlung liegt bei 14 Euro pro Stunde bei 8 bis 10 Stunden wöchentlich.

Diese Bezahlung ist deutlich zu niedrig für die fachlichen Anforderungen und die Verantwortung der Tätigkeit. Unsere klare Kritik: So geht das nicht.

 

Qualifizierte Arbeit mit Mehrfachkompetenz

Die ausgeschriebene Stelle verlangt:

  • Technisches Know-how in der Webpflege (WordPress)
  • Kreative und strategische Arbeit für Social Media
  • Organisatorische Unterstützung und Planung
  • Wichtige Gebärdensprachkompetenz (DGS), die für die Kommunikation in der Community essenziell ist

Diese Kombination aus Medienarbeit, Organisation und Gebärdensprache macht die Stelle anspruchsvoll und spezialisiert.

 

Warum die Bezahlung nicht angemessen ist

14 Euro pro Stunde mögen zunächst akzeptabel klingen. Doch im Vergleich zu branchenüblichen Vergütungen ist das zu wenig:

  • Webdesigner, Social-Media-Manager oder Medienfachleute verdienen oft zwischen 20 und 40 Euro pro Stunde – je nach Erfahrung und Region.
  • Gebärdensprachdolmetscher:innen, die ebenfalls hochqualifizierte, spezialisierte Arbeit leisten, erhalten etwa 90 Euro pro Stunde.

Es ist schlicht schamlos, eine so anspruchsvolle Tätigkeit nur geringfügig über dem Mindestlohn anzusetzen.

 

Wie viel wäre eine faire Bezahlung?

Basierend auf den branchenüblichen Stundensätzen und den Anforderungen sollte die Vergütung realistischerweise etwa so aussehen:

  • Moderater Stundenlohn: 20–25 Euro pro Stunde
  • Bei 8 bis 10 Stunden pro Woche entspricht das:
    • 8 Std./Woche × 4 Wochen × 20 Euro = 640 Euro monatlich
    • 10 Std./Woche × 4 Wochen × 25 Euro = 1.000 Euro monatlich

 

Verdienstmöglichkeiten für gut qualifizierte Fachkräfte

Wer in diesem Bereich überdurchschnittliche Erfahrung, fundierte Fachkenntnisse und nachweisbare Erfolge vorweisen kann, kann durchaus höhere Stundensätze erzielen, insbesondere bei freiberuflicher Tätigkeit oder in spezialisierten Projekten.

  • Gutverdienende Web- und Medienprofis können zwischen 30 und 50 Euro pro Stunde verdienen, je nach Region und Aufgabenprofil.
  • Das entspricht bei 8 bis 10 Stunden pro Woche einem monatlichen Einkommen von etwa 960 bis 2.000 Euro.

Solche Vergütungen sind für anspruchsvolle Medien- und Öffentlichkeitsarbeit mit Gebärdensprachkompetenz angemessen und spiegeln den Wert der Arbeit wider.

 

Folgen der Unterbezahlung

Die zu niedrige Vergütung führt zu:

  • Weniger qualifizierten Bewerbungen
  • Geringer Motivation und Bindung der Mitarbeitenden
  • Qualitätseinbußen in der Öffentlichkeitsarbeit
  • Schlechterer Sichtbarkeit und Vernetzung der Deaf-Community

Das schadet langfristig der gesamten Community.

 

Wie hoch ist der reale Stundenlohn wirklich?

Die Angabe „520 Euro bei 8–10 Stunden pro Woche“ klingt auf den ersten Blick eindeutig, ist es aber nicht. Der tatsächliche Stundenlohn hängt stark vom realen Arbeitsumfang ab.

Bei einer realistischen Monatsrechnung (durchschnittlich 4,33 Wochen pro Monat) ergibt sich folgendes Bild:

  • 8 Stunden pro Woche
    → ca. 34,6 Stunden im Monat
    ca. 15,00 Euro pro Stunde
  • 9 Stunden pro Woche
    → ca. 39 Stunden im Monat
    ca. 13,30 Euro pro Stunde
  • 10 Stunden pro Woche
    → ca. 43,3 Stunden im Monat
    ca. 12,00 Euro pro Stunde

Fazit:
Der reale Stundenlohn liegt zwischen etwa 12 und 15 Euro, je nachdem, wie viele Stunden tatsächlich gearbeitet werden.

 

Hinweis für Interessierte und Einordnung der Vergütung

Wer dieses Stellenangebot trotz der klaren Unterbezahlung annimmt, trifft aus fachlicher Sicht keine kluge Entscheidung. Die angebotene Vergütung von 14 Euro pro Stunde liegt deutlich unter dem, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich und angemessen ist.

Für die Medien- und Verwaltungsbranche mit den geforderten Qualifikationen ist dieser Stundenlohn als Dumpinglohn einzustufen. Er unterläuft die branchenüblichen Standards und trägt zur generellen Abwertung qualifizierter Arbeit bei.

Bewerber:innen sollten sich daher gut überlegen, ob sie sich auf eine Stelle mit so geringer Wertschätzung und Bezahlung einlassen möchten. Langfristig ist eine faire Vergütung für die Anerkennung und den Erhalt qualifizierter Fachkräfte in der Deaf-Community unerlässlich.

 

Unsere Forderung: Fairness und Wertschätzung

Wir fordern den Deutschen Gehörlosen-Bund und andere Organisationen auf:

  • Die Bezahlung an die Qualifikation anzupassen
  • Medienarbeit und Gebärdensprachkompetenz als wertvolle Leistung anzuerkennen
  • Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Fachkräfte wertschätzen und halten

Qualifizierte Arbeit darf nicht ausgebeutet werden – auch nicht in sozialen oder gemeinnützigen Bereichen.

 

Fazit

Das aktuelle Angebot des Deutschen Gehörlosen-Bunds ist für die geforderte Leistung unterbezahlt und zeigt eine klare Unterbewertung qualifizierter Arbeit. Wer mit Medienkompetenz und Gebärdensprachkenntnissen arbeitet, verdient eine faire Bezahlung – deutlich oberhalb von 14 Euro pro Stunde.

Ein solches schamlos niedriges Stellenangebot ist nicht akzeptabel. Die Deaf-Community braucht und verdient Respekt – auch durch gerechte Vergütung. Wir sagen: So nicht!

Bild von Lukas Bieri auf Pixabay

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