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UN verletzt Rechte: Keine Gebärdensprache bei Sitzung

by info@deaf24.com

Die Vereinten Nationen (UN) stehen weltweit für Menschenrechte, Inklusion und Gerechtigkeit. Doch bei einer eigenen Sitzung zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) kam es zu einem schweren Verstoß gegen diese Grundsätze. Während der 32. Sitzung des Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) wurden Taube Menschen ausgeschlossen – ihnen wurde der Zugang zu Gebärdensprache verweigert. Das betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern ist ein strukturelles Problem.

 

Keine Gebärdensprache für CRPD-Mitglied – ein klarer Verstoß

Der CRPD-Ausschuss der UN überwacht die Umsetzung der UN-BRK. Er achtet darauf, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt teilnehmen können – besonders durch barrierefreie Kommunikation wie Gebärdensprache.

Doch während der 32. Sitzung in Genf wurde das taube Ausschussmitglied Herr Hiroshi Tamon schwer benachteiligt. Ihm wurde keine Dolmetschung in seiner gewählten Gebärdensprache zur Verfügung gestellt – weder bei offiziellen Sitzungen noch bei Gesprächen außerhalb. Herr Tamon musste selbst Dolmetscher*innen organisieren und bezahlen. Er bekam dabei Unterstützung von externen Organisationen. Trotzdem ist das ein klarer Verstoß: Die UN selbst ist verantwortlich für die barrierefreie Kommunikation – nicht die Betroffenen.

 

Rückschritt bei der Überprüfung der Dominikanischen Republik

Ein weiteres Beispiel betrifft die Regierung der Dominikanischen Republik. Sie stellte am 4. März eigene Gebärdensprachdolmetscher*innen per Zoom-Plattform zur Verfügung – so konnten auch Taube Menschen aus dem Land teilnehmen. Doch am nächsten Tag teilte das UN-Büro in Genf mit, dass die Nutzung von Zoom kostenpflichtig sei. Die Regierung müsse die Technik selbst bezahlen.

Wegen dieser finanziellen Hürde zog die Delegation ihre Dolmetscher*innen zurück. Die zweite Sitzung am 5. März fand ohne Gebärdensprache statt. Das bedeutete: Taube Menschen konnten an einem wichtigen Menschenrechtsdialog nicht mehr teilnehmen. Diese Entscheidung ist nicht nur unverständlich, sondern auch ein Rückschritt für die Inklusion.

 

UN TV blendet Gebärdensprache aus

Ein weiteres Problem betrifft die Live-Übertragungen der UN im Internet (UN TV). Früher wurden dort Gebärdensprachdolmetscherinnen eingeblendet – so konnten auch taube Menschen die Diskussionen verfolgen. Doch mittlerweile ist das nicht mehr der Fall. Diese Dolmetscherinnen werden oft nicht mehr gezeigt. Das macht es für taube Zuschauer*innen unmöglich, den Inhalt zu verstehen.

 

Scharfe Kritik vom Weltverband der Tauben (WFD)

Der Weltverband der Tauben (WFD) kritisiert diese Vorfälle deutlich. Für den Verband sind das keine Einzelfälle, sondern ein Zeichen für systematische Ausgrenzung. Die UN betont immer wieder die Bedeutung der UN-BRK. Doch wenn es um Taube Menschen geht, versagt sie an den eigenen Ansprüchen.

Der WFD betont: Auch in Zeiten knapper Budgets dürfen die Rechte von Tauben Menschen nicht gekürzt werden. Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht – keine freiwillige Leistung.

 

Klare Forderungen an die UN

Der WFD ruft die Vereinten Nationen und das UN-Büro in Genf (UNOG) zu folgenden Maßnahmen auf:

  1. Zugang für Herr Tamon garantieren
    Die UN muss sicherstellen, dass Herr Tamon bei allen Sitzungen und Gesprächen Dolmetschung in seiner gewählten Gebärdensprache erhält.
  2. Gebärdensprache auf allen Ebenen ermöglichen
    Jede UN-Veranstaltung soll – wenn gewünscht – sowohl nationale Gebärdensprache als auch Internationale Gebärdensprache (International Sign) anbieten.
  3. Keine Kostenhürden für Mitgliedsstaaten
    Staaten wie die Dominikanische Republik dürfen nicht gezwungen werden, Dolmetschung wegen technischer Kosten abzulehnen.
  4. Dialog mit Tauben Organisationen führen
    Die UN soll gemeinsam mit dem WFD, der International Disability Alliance (IDA) und dem Weltverband der Gebärdensprachdolmetscher*innen (WASLI) eine langfristige Lösung entwickeln, damit taube Menschen überall teilhaben können.

 

Tipps: Was können Taube Menschen tun?

Auch wenn die Probleme auf hoher UN-Ebene stattfinden, kann jede*r etwas beitragen:

  • Taube Organisationen wie den WFD unterstützen, z. B. durch Mitgliedschaft oder ehrenamtliche Mitarbeit.
  • Politische Entscheidungsträger anschreiben und auf fehlende Gebärdensprache hinweisen.
  • Auf Social Media aktiv werden, um Sichtbarkeit zu schaffen.
  • Erfahrungen öffentlich machen, z. B. über Blogs oder Videos.
  • Andere Taube Menschen informieren, damit niemand allein kämpfen muss.

 

Fazit: Ohne Gebärdensprache keine Teilhabe

Die Vereinten Nationen müssen mit gutem Beispiel vorangehen – gerade wenn es um Menschenrechte geht. Taube Menschen haben das Recht auf gleiche Teilhabe, und dazu gehört die Kommunikation in Gebärdensprache. Die aktuellen Vorfälle zeigen, dass dieses Recht immer noch nicht selbstverständlich ist – selbst auf internationaler Ebene. Der Ausschluss von Gebärdensprache bedeutet den Ausschluss von Menschen. Das darf nicht sein. Nur wenn Taube Menschen vollständig eingebunden werden, ist echte Inklusion möglich. Die UN muss jetzt handeln – nicht irgendwann.

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