Home AsienBelgische Ermittler befragen in Mumbai Taube Angeklagte

Belgische Ermittler befragen in Mumbai Taube Angeklagte

by info@deaf24.com

Ein internationaler Mordfall sorgt seit Monaten für Schlagzeilen: Belgische Ermittler sind nach Mumbai gereist, um drei gehörlose Angeklagte in einem brutalen Tötungsdelikt zu befragen. Das Opfer: ein ebenfalls gehörloser Mann, dessen Leiche im August 2024 in einem Koffer gefunden wurde. Der Fall verbindet Indien und Belgien, zeigt die Probleme grenzüberschreitender Ermittlungen – und macht sichtbar, wie schwierig Verfahren für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung sein können.

Der Mord an Arshad Shaikh ist nicht nur ein Kriminalfall. Er zeigt, wie wichtig barrierefreie Kommunikation, Dolmetscher und faire Vernehmungen sind.

 

Ein Koffer am Bahnhof: Der grausige Fund

Am 5. August 2024 bemerkten Polizisten am Bahnhof Dadar in Mumbai zwei Männer, die einen großen, schweren Koffer über den Bahnsteig zogen. Den Beamten kam die Situation verdächtig vor. Als sie den Koffer öffneten, fanden sie die in Plastik eingewickelte Leiche von Arshad Ali Sadiq Ali Shaikh, 30 Jahre alt.

Die Polizei nahm die beiden Männer sofort fest:

  • Jay Chavda
  • Shivjeet Singh

Kurz danach geriet auch die Ehefrau des Opfers, Ruksana Arshad Shaikh, in den Fokus der Ermittlungen. Alle drei sind gehörlos.

 

Die Spur führt zu einer gehörlosen Gruppe

Schon früh zeigte sich: Die Beteiligten kannten sich gut. Laut Polizei gehörten alle derselben gehörlosen Gemeinschaft in Mumbai an. Es soll Spannungen, persönliche Konflikte und Rivalitäten gegeben haben.

Eine besondere Rolle soll Jay Chavda gespielt haben, der laut verschiedenen Berichten eine Beziehung zu Ruksana Shaikh hatte. Die Polizei vermutet, dass Eifersucht, Machtkämpfe und persönliche Beziehungen zu dem Verbrechen geführt haben.

 

Schwere Vorwürfe: Misshandlung und Videoanrufe

Die Ermittlungen ergaben Hinweise auf extreme Gewalt: Das Opfer soll gefesselt, entkleidet und geschlagen worden sein. Ein Detail schockierte die Ermittler besonders: Die Tat wurde mit Mobiltelefonen gefilmt.

Und: Während der Misshandlungen sollen die Täter über Videoanrufe Kontakt zu einem weiteren Mann gehabt haben – Jagpalpreet Kamal Singh, 50 Jahre alt, gehörlos, in Belgien lebend.

Er soll die Männer über das Video per Handzeichen und Gesten angestiftet und angefeuert haben.

Damit wurde der Fall plötzlich international.

 

Belgien wird aufmerksam – dank der Deaf-Community

In Brüssel sahen Mitglieder einer gehörlosen Gruppe Videos, die offenbar den Angriff auf Arshad Shaikh zeigten. Sie meldeten dies der Polizei, die Jagpalpreet Singh im Oktober 2024 festnahm.

Indien stellte eine internationale Fahndung aus (Red Corner Notice). Die Beweise wirkten eindeutig genug, um ein Verfahren einzuleiten.

 

Auslieferung unmöglich – aber Belgien kooperiert

Indien stellte einen Antrag auf Auslieferung Singhs. Doch Belgien lehnte ab – es existiert kein Auslieferungsvertrag.

Trotzdem zeigte Belgien Bereitschaft, den Fall ernst zu nehmen:

  • Alle Beweise wurden übersetzt.
  • Indische Protokolle wurden weitergegeben.
  • Die belgische Justiz begann ein eigenes Verfahren.

Indien und Belgien arbeiten über ein Abkommen zur Rechtshilfe in Strafsachen zusammen. Dieses Abkommen macht die Zusammenarbeit möglich, obwohl keine Auslieferung stattfinden kann.

 

Belgische Ermittler reisen nach Mumbai

Um die drei Angeklagten vor Ort zu befragen, reiste ein belgisches Team nach Indien. Die Delegation besteht aus:

  • drei Polizisten
  • einem Richter
  • einem Staatsanwalt
  • einem Kamerateam
  • einem Gebärdensprachdolmetscher

Für die Befragungen gelten hohe Standards, denn alle Beschuldigten haben eine Hör- und Sprachbehinderung. Dolmetscher des Bombay Institute for Deaf and Mute unterstützen die Gespräche. Sie stellen sicher, dass die Kommunikation klar und respektvoll verläuft – ein entscheidender Punkt für faire Verfahren.

Die drei Angeklagten sitzen getrennt:

  • Chavda und Singh im Arthur Road Jail
  • Ruksana Shaikh im Byculla-Frauengefängnis

 

Warum der Fall so besonders ist

Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie schwierig Ermittlungen sind, wenn mehrere Länder, Sprachen und Rechtssysteme beteiligt sind. Dazu kommt die besondere Situation der gehörlosen Beteiligten:

  • Gebärdensprache unterscheidet sich je nach Land stark.
  • Fachdolmetscher sind selten, aber unverzichtbar.
  • Missverständnisse können große Folgen haben, besonders bei Gesten, Emotionen und Videos.
  • Die Justiz muss sicherstellen, dass die Rechte der gehörlosen Personen geschützt sind.

Das Gericht in Mumbai bestätigte offiziell, dass die belgischen Befragungen durchgeführt werden dürfen – unter der Bedingung, dass alle Rechte der Angeklagten gewahrt bleiben.

 

Tipps für die Deaf-Community bei Polizei- oder Justizkontakten

Dieser Fall zeigt, wie wichtig gute Unterstützung ist. Hier einige hilfreiche Tipps:

  1. Immer einen qualifizierten Gebärdensprachdolmetscher verlangen.
    Niemand darf ohne barrierefreie Kommunikation befragt werden.
  2. Nichts unterschreiben, wenn man den Inhalt nicht vollständig versteht.
    Besser auf Dolmetscher und einfache Sprache bestehen.
  3. Recht auf eine Vertrauensperson prüfen.
  4. Bei internationalen Fällen: Nachfragen, wer dolmetscht und in welcher Gebärdensprache.
  5. Alle Gespräche dokumentieren lassen.

 

Fazit: Ein internationaler Fall – und ein wichtiger Moment für Inklusion

Der Mord an Arshad Shaikh ist ein tragisches Verbrechen. Doch der Fall zeigt auch, wie wichtig gute Kommunikation, Dolmetschdienste und Respekt gegenüber Menschen mit Hörbehinderung sind.

Er zeigt, dass Länder zusammenarbeiten können – trotz unterschiedlicher Systeme und Gesetze. Und er zeigt, wie wertvoll es ist, wenn die Deaf-Community aufmerksam bleibt und Hinweise weitergibt.

Die Ergebnisse der Befragungen in Mumbai könnten entscheidend sein, um das Verfahren in Belgien voranzubringen. Für viele Experten ist der Fall ein Beispiel, wie moderne Justiz barrierefrei und inklusiv arbeiten muss.

Related Posts

Este sitio está registrado en wpml.org como sitio de desarrollo. Cambia a una clave de sitio de producción en remove this banner.