Der Deutsche Gehörlosen-Bund (DGB) hat in seinem Wochenrückblick zum Fall Bochum eine politische Stellungnahme veröffentlicht. Darin betont der Verband, wie schwierig politische Arbeit sei, dass Spekulationen nicht helfen und dass man Gespräche mit Behörden suche, um langfristig Lösungen zu entwickeln.
Doch viele Gehörlose und die Redaktion von Deaf24 fragen sich: Warum kommt diese politische Aktivität erst jetzt? Warum dauerte es Jahre, bis konkrete Schritte angekündigt wurden? Und ist die Kritik, die Deaf24 seit zwei Jahren äußert, gerechtfertigt – oder spaltet sie wirklich, wie manche behaupten?
Dieser Artikel erklärt klar und verständlich, was der DGB sagt, wo Widersprüche liegen, welche Verantwortung die Verbände tragen und warum Kritik so wichtig ist. Für alle, die die Situation in der Gehörlosengemeinschaft verstehen wollen.
Was der DGB im Wochenrückblick sagt
Im politischen Teil des Beitrags konzentriert sich der DGB auf folgende Punkte:
- Der Fall Bochum sei komplex, Spekulationen sollen vermieden werden.
- Der DGB und der Landesverband Nordrhein-Westfalen haben einen Fragenkatalog an das Innenministerium geschickt.
- Ein Gespräch soll zeitnah stattfinden, um gemeinsam Lösungen zu finden.
- Politische Arbeit sei „starr“ und „hart“ und brauche Geduld.
- Ziel sei es, Richtlinien zu entwickeln und Sensibilisierung in Polizei, Krankenhäusern, Jugendämtern und Rettungsdiensten voranzubringen.
- Veränderung brauche Zeit und gegenseitiges Entgegenkommen.
Der DGB setzt damit auf ruhige Gespräche und langfristige Strategien, statt auf öffentliche Konfrontationen.
Warum viele Gehörlose unzufrieden sind
Viele gehörlose Menschen erleben seit Jahren:
- Schlechte Organisation bei Dolmetscherdiensten
- Lange Wartezeiten auf Gebärdensprachdolmetscher
- Behörden, die nicht wissen, wie man mit Gehörlosen kommuniziert
- Konflikte mit Polizei, Krankenhäusern und Jugendämtern
- Jugendämter, die ohne Gebärdensprache Entscheidungen treffen
- Fehlendes Wissen über Rechte nach UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und Sozialgesetzbuch IX
- Barrieren, die laut Gesetz längst abgebaut sein müssten
Nicht nur der Deutsche Gehörlosen-Bund, sondern schwerwiegend auch die Landesverbände tragen hier Verantwortung. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie ehrenamtlich arbeiten oder nicht. Sie wurden gewählt, um die Interessen der Gehörlosen politisch zu vertreten und Strukturen aufzubauen. Ansonsten bleiben nur starre Ausreden, die niemandem helfen.
Deshalb wirkt der DGB-Text auf viele so, als würde er Verantwortung nach außen verschieben. Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt – nicht erst seit dem Fall Bochum.
Hat Deaf24 mit seiner Kritik recht?
Ja. Deaf24 zeigt Missstände auf, die sonst kaum benannt würden.
Seit zwei Jahren berichtet Deaf24 über:
- Die Untätigkeit vieler Verbände
- Chaotische Organisation bei Dolmetschervermittlungen
- Fehlende Sensibilisierung und Ausbildung in Behörden
- Verletzung von Kommunikationsrechten
- Mangelnde politische Durchsetzung
Diese Probleme werden im DGB-Rede nicht klar benannt. Stattdessen entsteht der Eindruck, der Verband beginne erst jetzt, politisch aktiv zu werden – obwohl die rechtlichen Grundlagen längst existieren.
Deaf24 hat somit nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, diese Themen öffentlich anzusprechen.
Spaltet Deaf24 die Gehörlosengemeinschaft?
Der Vorwurf, Deaf24 spalte die Gemeinschaft, kommt oft von Menschen, denen Kritik unangenehm ist. Doch kritische Berichterstattung ist kein Angriff, sondern eine notwendige Kontrolle.
Spaltung entsteht nicht durch Kritik, sondern durch:
- fehlende Transparenz
- mangelnde Mitsprache
- Verbände, die kritische Stimmen ausgrenzen
- starre Strukturen ohne echte Beteiligung
Anstelle von provokativen und unsachlichen Kommentaren wäre es hilfreich, wenn alle Beteiligten konstruktiv nach Lösungen suchen würden. Nur so können bestehende Probleme überwunden und die politische Arbeit wirksamer gestaltet werden.
Deaf24 macht Missstände sichtbar, über die lange geschwiegen wurde. Das stärkt die Gemeinschaft, statt sie zu spalten.
Deaf24 macht Probleme sichtbar, über die lange geschwiegen wurde. Das stärkt die Gemeinschaft, es spaltet sie nicht.
Die Widersprüche im DGB-Rede
Der DGB sagt, politische Arbeit sei „hart“ und „starr“. Doch diese Aussage steht im starken Widerspruch zur Realität:
Das Gesetz ist klar
Die rechtlichen Grundlagen sind eindeutig:
- UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK)
- Behindertengleichstellungsgesetz (BGG)
- Sozialgesetzbuch IX (SGB IX)
Diese Gesetze verpflichten Behörden seit Jahren verbindlich, barrierefreie Kommunikation sicherzustellen.
Dafür braucht es keine „harten politischen Prozesse“.
Es braucht nur Durchsetzung.
Die Barrieren, die Gehörlose täglich erfahren, entstehen nicht durch ein kompliziertes System, sondern durch fehlende Umsetzung und mangelnden Druck von Verbänden.
Politische Arbeit ist starr – großer Widerspruch
Der DGB spricht von starrer politischer Arbeit. Dabei fehlt genau hier ein zentraler Punkt:
Behörden, Polizei, Krankenhäuser und andere öffentliche Stellen wurden nicht oder kaum von den Gehörlosenverbänden – besonders von den Landesverbänden und vom Deutschen Gehörlosenverband (DGB) – über die Bedürfnisse der Gehörlosen aufgeklärt. Es gab kaum Schulungen oder Ausbildungen für den Umgang mit Gehörlosen.
Das erklärt, warum es bis heute keine ausreichenden Ausbildungen und Trainings gibt. Die starre politische Arbeit entsteht dadurch auch, dass die Verbände ihrer Aufklärungs- und Bildungsaufgabe nicht nachkommen.
Richtlinien fehlen seit Jahrzehnten
Wenn der DGB jetzt ankündigt, „Richtlinien entwickeln“ zu wollen, bedeutet das, dass es vorher keine gab – obwohl sie längst hätten existieren müssen.
Verantwortung wird abgeschoben
Der DGB stellt es so dar, als sei das System schuld. Tatsächlich haben die Verbände über lange Zeit nicht genug Druck gemacht.
Keine klaren Forderungen
Es fehlen konkrete Schritte wie:
- Zeitpläne
- Forderungen an Behörden
- Verpflichtungen zur Umsetzung
- Kontrollmechanismen
Der Beitrag klingt eher nach Beschwichtigung als nach entschlossener Politik.
Warum Kritik notwendig bleibt
Eine starke Deaf-Community braucht:
- ehrliche Berichte
- mutige Stimmen
- transparente Verbände
- klare Verantwortung
Verbände müssen politisch handeln – und Deaf24 hat die Aufgabe, diese Arbeit kritisch zu begleiten und Missstände offen zu legen. Das ist keine Spaltung, sondern demokratische Kontrolle.
Fazit
Der Wochenrückblick des DGB zeigt zwar Bemühungen, offenbart aber auch große Versäumnisse. Die angekündigten Schritte kommen spät und bleiben vage. Viele Gehörlose erleben täglich Barrieren in Behörden, Polizei, Krankenhäusern und Jugendämtern, obwohl die rechtlichen Grundlagen für barrierefreie Kommunikation längst verbindlich sind.
Die Kritik von Deaf24 ist sachlich, wichtig und notwendig. Sie macht Missstände sichtbar und fordert Verantwortung ein, die lange vernachlässigt wurde.
Nur durch Offenheit, Transparenz und mutige Kritik können echte Verbesserungen entstehen. Deaf24 trägt dazu bei, dass die Rechte der Gehörlosen ernst genommen werden – heute und in Zukunft.

