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Contergan: Was solltest du wissen

by info@deaf24.com

Contergan war ein Medikament, das in den 1950er und 1960er Jahren für schwangere Frauen verkauft wurde und schwere Missbildungen bei ungeborenen Kindern verursachte. Viele dieser betroffenen Kinder wuchsen mit langfristigen Schäden auf – darunter auch Gehörlose. Die Auswirkungen des Contergan-Skandals sind bis heute spürbar, insbesondere für Menschen mit Hörbehinderungen. Dieser Beitrag bietet einen detaillierten Überblick über die Geschichte des Contergan-Skandals, die Herausforderungen, die gehörlose Opfer damit heute noch konfrontieren, sowie mögliche Unterstützungsmöglichkeiten.

Die Geschichte eines Medikaments

Contergan wurde am 1. Oktober 1957 auf den Markt gebracht und war zunächst ein beliebtes Schlafmittel, das als sanft und sicher galt. Noch ahnten die Menschen nicht, dass der Wirkstoff Thalidomid während der Schwangerschaft schwere Missbildungen beim Ungeborenen verursachen konnte – wie das Fehlen von Gliedmaßen und Organen. Die verantwortliche Firma Grünenthal war lange unbeeindruckt von Hinweisen auf diese gefährlichen Nebenwirkungen. Erst am 27. November 1961 wurde Contergan vom Markt genommen, nachdem zahlreiche Missbildungen und gravierende Schäden bei Neugeborenen dokumentiert wurden. In Deutschland allein kamen bis 1962 etwa 5.000 Kinder zur Welt, die von Contergan missgebildet waren – darunter viele mit Hörschäden. Kinder, die bereits während der Schwangerschaft starben, ohne dass ihr Fall mit Contergan in Verbindung gebracht wurde, bleiben ungezählt.

Was sind die Folgen für Gehörlose?

Viele der betroffenen Kinder, die durch Contergan geschädigt wurden, haben bis heute mit den Langzeitfolgen zu kämpfen – darunter auch eine erhebliche Zahl an Gehörlosen. Die permanente Hörbehinderung stellt viele dieser Menschen vor zusätzliche Herausforderungen im Alltag. Kommunikation, Arbeit, Bildung und Freizeitgestaltung sind oft nur durch spezielle Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Gebärdensprachdolmetscher möglich. Für gehörlose Contergan-Opfer sind diese Barrieren noch stärker ausgeprägt, und sie kämpfen bis heute mit den sozialen und beruflichen Konsequenzen ihrer Behinderung.

Wie lebt man als Gehörlose*r nach Contergan?

Das Leben der Gehörlosen, die durch Contergan geschädigt wurden, unterscheidet sich stark von dem vieler anderer Menschen. Aufgrund ihrer Behinderung sind sie auf regelmäßige medizinische Versorgung und Rehabilitation angewiesen. Viele müssen in ihrer Mobilität und Lebensgestaltung auf Barrieren achten, die für Hörende nicht existieren. Ganz „normal“ zu leben, ist für diese Menschen oft mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden – von der Arbeitssuche bis hin zu alltäglichen Gesprächen oder sozialen Begegnungen.

Sonderbehandlungen und Unterstützung

Betroffene Gehörlose, die durch Contergan geschädigt wurden, haben in der Vergangenheit oft besondere Hilfsmaßnahmen und Unterstützung erfahren. Dazu zählen finanzielle Entschädigungen, Zuschüsse für Hörgeräte oder auch der Zugang zu Beratungsstellen und Rehabilitationsmaßnahmen. Allerdings gibt es oft noch zu wenig spezialisierte Angebote, die gezielt auf die Bedürfnisse von gehörlosen Contergan-Opfern eingehen. Die Unterstützung durch Behörden und Stiftungen sollte weiter ausgebaut werden.

Schadenersatz und Schmerzensgeld

Die rechtlichen Auseinandersetzungen für Contergan-geschädigte Menschen, darunter viele Gehörlose, dauern bis heute an. In Deutschland haben Opfer über die Jahre hinweg Entschädigungen erhalten, allerdings sind diese oftmals nicht ausreichend und dauern lang. Viele Gehörlose berichten von frustrierenden Erfahrungen mit der Regulierung, da die Anerkennung ihrer Hörbehinderung und die Entschädigung dafür oft problematisch sind. Die Zahlung von 100 bis 500 Euro pro Monat gilt als sehr gering im Vergleich zu den hohen Belastungen, die mit der Behinderung einhergehen.

Wie viele Menschen sind betroffen?

In Deutschland sind nach Schätzungen noch über 10.000 Menschen von den Langzeitfolgen von Contergan betroffen. Die genaue Zahl der gehörlosen Betroffenen, die durch Contergan geschädigt wurden, liegt ebenfalls in Hunderten, wenn nicht Tausenden. Viele dieser Menschen kämpfen bis heute mit der Schwere ihrer Behinderung und den daraus resultierenden Einschränkungen.

Wie hoch ist die Entschädigung für die Opfer?

In den 1970er Jahren zahlte der Hersteller „Grünenthal“ und die Besitzerfamilie insgesamt 114 Millionen Mark an eine Stiftung, die von der Bundesregierung mit weiteren 100 Millionen Mark unterstützt wurde. Viele Opfer, darunter auch viele Gehörlose, erhalten eine monatliche Entschädigung von 100 bis 500 Euro. Weitere Klagen, die auf eine höhere Entschädigung abzielen, wurden bisher von den Gerichten abgewiesen.

Gibt es die Contergan-Firma heute noch?

Ja, die Firma „Grünenthal“ existiert noch heute, und zwar in Aachen. Heute produziert der Konzern unter anderem das Schmerzmittel „Tramal“ und hat weltweit fast 5.000 Mitarbeiter mit einem Jahresumsatz von über 900 Millionen Euro.

Fazit

Der Contergan-Skandal hat schwere Spuren hinterlassen – vor allem bei Gehörlosen, die durch das Medikament in ihrer Entwicklung massiv beeinträchtigt wurden. Viele dieser Menschen leben mit einer dauerhaften Behinderung und kämpfen täglich mit Herausforderungen, die ihren Alltag prägen. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft weiterhin aufmerksam bleibt und gezielt Maßnahmen ergreift, um diese Menschen besser zu unterstützen – sei es durch medizinische Versorgung, finanzielle Hilfen oder spezielle Beratungsangebote. Die Geschichten der Contergan-Opfer dürfen nicht in Vergessenheit geraten, denn sie haben nicht nur einen großen Einfluss auf das persönliche Leben, sondern auch auf die Gesellschaft als Ganzes.

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